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Vom Testergebnis zum Studienplatz

Das ist die Frage, an der am Ende alles hängt, und sie wird erstaunlich selten sauber beantwortet. Der Test liefert eine Zahl: Was daraus wird, entscheidet jede Hochschule in ihrer eigenen Auswahlsatzung, und zwar getrennt für die beiden Quoten, in denen der Test überhaupt vorkommt, das Auswahlverfahren der Hochschulen und die Zusätzliche Eignungsquote.

Der Weg vom Standardwert bis zum Zulassungsangebot, getrennt nach Eignungsquote und Auswahlverfahren
Der Weg vom Standardwert bis zum Zulassungsangebot, getrennt nach Eignungsquote und Auswahlverfahren

In der Zusätzlichen Eignungsquote

Hier darf die Abiturnote überhaupt nicht herangezogen werden, deshalb ist der Test in aller Regel das dominierende oder sogar alleinige Kriterium. Einige Hochschulen addieren Punkte für eine abgeschlossene Berufsausbildung, für Berufstätigkeit im Gesundheitswesen oder für ein Auswahlgespräch, getragen wird die Rangliste aber in jedem dieser Modelle ganz überwiegend vom Testergebnis.

Acht Prozent aller Plätze hängen praktisch allein am Test In der ZEQ konkurriert ein starkes Testergebnis mit 2,3 im Abitur gleichberechtigt gegen ein starkes Testergebnis mit 1,4.

Für alle, deren Note nicht trägt, ist diese Quote der eigentliche Grund, den Test ernst zu nehmen.

Im Auswahlverfahren der Hochschulen

Im größten Topf, 48 Prozent aller Plätze, bildet jede Universität eine eigene Formel aus Abiturnote und mindestens einem notenunabhängigen Kriterium. Dafür haben sich beim TMS zwei Bauweisen eingebürgert, und beide wirst du in den Satzungen wiederfinden.

Die zwei üblichen Rechenwege
BauweiseWie sie funktioniertWoran du sie erkennst
NotenbonusDas Testergebnis wird in eine Verbesserung der Abiturnote umgerechnet; die verbesserte Note bildet die RanglisteIn der Satzung steht eine Tabelle „Standardwert → Notenverbesserung“
PunktemodellNote und Testergebnis werden getrennt in Punkte übersetzt und mit festen Gewichten addiertIn der Satzung stehen Prozentangaben, etwa „Note 60 %, Test 40 %“

Eine Modellrechnung Achtung: erfundene Werte zur Veranschaulichung, keine echte Satzung. Angenommen, eine Hochschule gewichtet die Note zu 60 % und den Test zu 40 %, um beides auf eine gemeinsame Skala von 0 bis 100 Punkten zu rechnen.

Bewerbung A: Abitur 1,6 → 80 Notenpunkte, kein Test → 0. Gesamt: 0,6 × 80 + 0,4 × 0 = 48 Punkte.

Bewerbung B: Abitur 2,1 → 65 Notenpunkte, Standardwert 113 → 85 Testpunkte. Gesamt: 0,6 × 65 + 0,4 × 85 = 73 Punkte.

Die schlechtere Note liegt am Ende deutlich vorn, nicht weil der Test wichtiger wäre als die Note, sondern weil eine fehlende Testleistung in dieser Rechnung als Null eingeht, die jeden Notenvorsprung wieder aufzehrt. Genau das ist der Mechanismus, den man verstanden haben muss.

Die drei Dinge, die du daraus mitnimmst

Erstens: Ein fehlendes Testergebnis ist teurer als ein mittelmäßiges. In fast jeder Formel geht „kein Test“ als Null ein, und eine Null lässt sich durch keine Note mehr kompensieren. Wer unsicher ist, ob sich der Aufwand für die Vorbereitung überhaupt lohnt, rechnet also gegen den falschen Vergleich, denn die Alternative ist nicht „guter Test gegen mittlerer Test“, sondern „mittlerer Test gegen gar keiner“.

Zweitens: Die Standorte unterscheiden sich erheblich. Beim TMS reichte die Spanne von Hochschulen, die dem Test etwa das gleiche Gewicht wie der Note gaben, bis zu solchen, bei denen er die Rangliste dominierte. Für dein Profil kann derselbe Standardwert an der einen Universität den Ausschlag geben und an der anderen kaum etwas bewegen.

Drittens: Weil es künftig Prozentränge je Aufgabengruppe gibt, wäre es technisch möglich, dass eine Hochschule eine Mindestleistung in einer bestimmten Gruppe verlangt, etwa in den Naturwissenschaftlichen Kenntnissen, bevor sie dich in die Rangliste aufnimmt. Ob eine das tut, ist völlig offen, denn die Satzungen für das Wintersemester 2028/29 sind noch nicht geschrieben.

Zwei Stunden, die über die Bewerbung entscheiden Such dir die Auswahlsatzungen deiner sechs Wunschuniversitäten heraus (jede veröffentlicht sie als PDF) und schreib die drei Angaben in eine Tabelle: Gewicht der Note, Gewicht des Tests, weitere Kriterien.

Danach weißt du nicht nur, wie viel dein Testergebnis an diesen Orten wert ist, sondern auch, in welcher Reihenfolge du deine Orte priorisierst. Das ist die konkreteste Vorbereitungsarbeit, die es überhaupt gibt, und sie kostet dich einen einzigen Nachmittag.

Satzungen ändern sich Prüfe immer die Fassung für dein Bewerbungsjahr. Mit dem Wechsel auf den TMSnat werden alle Satzungen ohnehin überarbeitet.

Eine Übersicht aus einem Ratgeber oder Forum ist als erster Überblick brauchbar, als Entscheidungsgrundlage nicht.

Vom Ergebnis zum Studienplatz Der Test wirkt in zwei Quoten: ZEQ (8 % aller Plätze) und AdH (48 %).

In der ZEQ trägt praktisch allein das Testergebnis die Rangliste.

Im AdH rechnet jede Hochschule eigene Formeln, entweder als Notenbonus oder als Punktemodell.

Kein Testergebnis geht als Null ein: Das ist teurer als ein mittelmäßiges Ergebnis.

Die Auswahlsatzung deiner Wunschuniversität ist die einzige verbindliche Auskunft.

Quellen

Stand August 2026.

  • Universität Heidelberg (2026). Satzung zur Durchführung des Studieneignungstests TMSnat, Senatsbeschluss vom 3. Februar 2026, ausgefertigt am 10. Februar 2026: Rasch-Modell, Gewichtung nach verwerteten Aufgaben, Equating, Normierung, Prozentränge je Aufgabengruppe, Review-Board.
  • Koordinationsstelle für den TMS (2026). Geplante Zusammensetzung des TMSnat, Stand 26. Juni 2026, tms-info.org: Quelle der Strukturtabelle.
  • Jaehn, Hissbach, Frickhoeffer, Weppert, Zimmerhofer, Hampe, Kadmon, Becker (2025). Predictive validity of admission tests and educational attainment on preclinical academic performance. BMC Medical Education 25:1255: Grundlage der Aussage, welche Untertests im TMSnat entfallen sind und warum.
  • Universitätsklinikum Heidelberg (2026). Markterkundung vom 28. Januar 2026, dort Papierformat und maschinenlesbare Antwortbögen.
  • Auswahlsatzungen der Hochschulen: die verbindliche Quelle für Gewichtung und Rechenweg, denn die hier dargestellten Bauweisen sind nur aus den TMS-Satzungen verallgemeinert, die Modellrechnung ist erfunden.