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Gewidmete Studienplätze
Deniz Tafrali 5. August 2026
1
Was gewidmete Studienplätze sind
Neben dem regulären Weg über den MedAT gibt es einen zweiten, den kaum jemand kennt: die gewidmeten Studienplätze. Dahinter steht eine einfache Idee. Bestimmte Einrichtungen des Staates brauchen langfristig Ärzte — die Gesundheitskasse für Kassenstellen auf dem Land, das Bundesheer für seine Sanitätseinrichtungen, die Bundesländer für ihre Spitäler. Diese Einrichtungen reservieren deshalb Studienplätze und vergeben sie an Menschen, die sich im Gegenzug verpflichten, später für sie zu arbeiten.
Im Studienjahr 2026/27 sind 85 der insgesamt 1.950 Medizin-Studienplätze auf diese Weise gewidmet. Sie werden nicht zusätzlich vergeben, sondern aus dem regulären Kontingent entnommen — der Weg dorthin läuft aber anders, und genau darin liegt die Chance.
2
Warum sich der Blick lohnt
Die entscheidende Zahl steht selten irgendwo: Von den 85 gewidmeten Plätzen eines aktuellen Jahrgangs konnten nur 49 tatsächlich besetzt werden. Beim Innenministerium blieb keiner der drei Plätze vergeben, im Burgenland und in Vorarlberg ebenfalls keiner, bei der Gesundheitskasse waren es 6 von 13. Voll ausgeschöpft wurden nur das Bundesheer und Wien.
Es bleiben also Jahr für Jahr Studienplätze liegen, während gleichzeitig rund 17.000 Menschen um die regulären Plätze konkurrieren. Der Grund ist nicht, dass die Hürden unüberwindbar wären — sondern dass die meisten Bewerber von diesen Wegen schlicht nichts wissen oder sich von der Verpflichtung abschrecken lassen, ohne sie genau zu kennen.
3
Die vier Anbieter im Überblick
Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK)
Die ÖGK vergibt 13 Plätze pro Jahr, verteilt auf die vier Standorte: fünf in Innsbruck, vier in Graz, je zwei in Wien und Linz. Der Hintergrund ist der Ärztemangel im niedergelassenen Kassenbereich, vor allem in der Allgemeinmedizin und der Kinderheilkunde. Wer diesen Weg geht, verpflichtet sich zu mindestens fünf Jahren Tätigkeit bei der ÖGK — entweder angestellt oder als Vertragsarzt mit eigener Kassenstelle.
Dafür gibt es während des Studiums eine monatliche Vergütung von rund 1.090 Euro sowie die Rückerstattung der Studienbeiträge. Im Gegenzug arbeitet man zwei Tage im Monat und einen Monat in den Sommerferien mit. Die Bewerbungsfrist für das Studienjahr 2026/27 lief vom 2. März bis zum 21. Mai.
Österreichisches Bundesheer
Das Verteidigungsministerium hält jährlich zehn Plätze an der MedUni Wien bereit. Wer sie bekommt, arbeitet später als Truppenärztin oder Truppenarzt, in den Heeresspitälern oder im Auslandseinsatz.
Die finanziellen Konditionen sind hier die weitreichendsten aller vier Wege: Das Bundesheer übernimmt bereits die komplette MedAT-Vorbereitung einschließlich Kursen und Büchern, und während des sechsjährigen Studiums wird ein Gehalt gezahlt. Der Arbeitgeber nach dem Studium steht damit von Anfang an fest — für manche genau die Sicherheit, die sie suchen, für andere eine zu frühe Festlegung.
Die Anforderungen gehen allerdings über den MedAT hinaus: Verlangt werden die österreichische Staatsbürgerschaft und die militärische Eignung für eine Kaderverwendung, die in einem eigenen Verfahren festgestellt wird. Diese zehn Plätze gehören zu den wenigen, die regelmäßig vollständig vergeben werden — hier ist die Konkurrenz also real. Die Ausschreibung und den Bewerbungsablauf findest du auf der Website des Bundesheeres.
Bundesministerium für Inneres
Das Innenministerium stellt drei Plätze für den polizeiärztlichen Dienst bereit. Es ist der kleinste und zugleich der am wenigsten nachgefragte Weg — im ausgewerteten Jahrgang wurde kein einziger dieser Plätze besetzt. Wer sich für Amtsärztliches, Begutachtung und den Dienst in einer Behörde interessiert, findet hier statistisch die geringste Konkurrenz überhaupt.
Die Bundesländer
Den mit Abstand größten Block stellen die Länder mit rund 59 Plätzen. Sie widmen ihre Plätze für den Dienst in den eigenen Landesspitälern, häufig gezielt für Fächer, in denen Nachwuchs fehlt. Wien vergibt zehn Plätze und besetzt sie regelmäßig vollständig, die Steiermark acht, Tirol fünf, Salzburg vier, Vorarlberg drei, das Burgenland zwei; auch Niederösterreich und Kärnten haben eigene Programme.
Die Bedingungen unterscheiden sich hier am stärksten, und es lohnt sich, die Ausschreibung des eigenen Bundeslandes genau zu lesen. In Niederösterreich etwa gilt die Verpflichtung für fünf Jahre Vollzeit — allerdings erst nach abgeschlossener Facharztausbildung. Andere Länder rechnen anders. Da die Länder ihre Plätze am wenigsten ausschöpfen, sind das zugleich die realistischsten Chancen.
4
Was du dafür erfüllen musst
Ein gewidmeter Platz ist kein Freifahrtschein am Test vorbei. Vier Dinge müssen zusammenkommen: eine vertragliche Vereinbarung mit der jeweiligen Institution, die fristgerechte Anmeldung zum MedAT-H am gewünschten Studienort, die Bezahlung des Kostenbeitrags — und ein Testergebnis, das über oder gleich dem Gesamtwert von 75 Prozent aller Angetretenen liegt.
Dieser letzte Punkt wird oft missverstanden. Es geht nicht darum, 75 Prozent der Punkte zu erreichen, sondern besser abzuschneiden als drei Viertel der Teilnehmer. Du musst also zu den besten 25 Prozent gehören. Das ist deutlich weniger als für einen regulären Platz nötig wäre, aber eben auch kein Selbstläufer — ohne ernsthafte Vorbereitung geht es nicht.
5
Die Verpflichtung ehrlich betrachtet
Wer einen gewidmeten Platz annimmt, trifft eine Entscheidung, die weit über das Studium hinausreicht. Rechnet man Studium, Facharztausbildung und die anschließende Dienstzeit zusammen, kommt man je nach Modell auf eine Bindung von etwa 17 bis 20 Jahren an dieselbe Institution. In dieser Zeit ist die freie Wahl von Arbeitgeber, Region und teilweise auch Fachrichtung eingeschränkt.
Das kann genau das Richtige sein: Wer ohnehin Allgemeinmedizin in seiner Heimatregion machen möchte, bekommt hier einen Studienplatz, finanzielle Sicherheit und eine feste berufliche Perspektive. Für jemanden, der sich noch gar nicht festlegen will oder mit einem hochspezialisierten Fach an einer Uniklinik liebäugelt, ist es die falsche Entscheidung. Diese Frage solltest du dir ehrlich beantworten, bevor du unterschreibst — und nicht erst, wenn der Vertrag läuft.
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Wie du vorgehst
Der wichtigste Punkt ist der Zeitplan: Die Bewerbungsfristen der Institutionen liegen deutlich vor dem Testtag, bei der ÖGK etwa im Mai. Die Vereinbarung wird also geschlossen, bevor du überhaupt weißt, wie dein Test ausgeht. Wer sich erst nach dem MedAT dafür interessiert, ist zu spät dran.
Sinnvoll ist deshalb, sich schon im Winter zu informieren: die Ausschreibungen des eigenen Bundeslandes ansehen, die Seiten der ÖGK und des Bundesheeres prüfen und dort direkt nachfragen. Die Zahl der Plätze, die Fristen und die Verpflichtungsdauer ändern sich von Jahr zu Jahr — verlasse dich deshalb nie allein auf eine Übersicht wie diese, sondern immer auf die aktuelle Ausschreibung der jeweiligen Stelle.