Universitäten
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1Vier Standorte, vier Rechnungen
Der MedAT ist überall derselbe Test, aber die Rangliste wird für jeden Standort und jeden Studiengang getrennt gebildet. Deine Aussichten hängen also nicht nur davon ab, wie gut du bist, sondern auch davon, wo du antrittst. Du kannst dich im März durchaus an mehreren Standorten anmelden und die Entscheidung bis kurz vor den Test offenhalten, auch wenn du am Testtag dann nur an einem antreten kannst und die Kostenbeteiligung je Anmeldung anfällt.
Im Studienjahr 2026/27 stehen österreichweit 1.950 Studienplätze zur Verfügung, davon 1.806 in der Humanmedizin und 144 in der Zahnmedizin. Angemeldet hatten sich dafür 16.880 Menschen, von denen allerdings nur 13.248 angetreten sind.
| Standort | Plätze | angemeldet | angetreten | je Platz |
|---|---|---|---|---|
| Wien | 784 (704 H + 80 Z) | 8.235 | 6.573 | 8,4 |
| Innsbruck | 430 (390 H + 40 Z) | 3.532 | 2.630 | 6,1 |
| Graz | 406 (382 H + 24 Z) | 2.824 | 2.321 | 5,7 |
| Linz | 330 (nur H) | 2.289 | 1.724 | 5,2 |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens ist die reale Konkurrenz kleiner, als die Anmeldezahl vermuten lässt: Rund jeder fünfte Angemeldete erscheint gar nicht zum Test. Diese Quote liegt seit Jahren stabil bei etwa 20 Prozent und verschiebt die rechnerische Chance von 11,6 auf 14,7 Prozent. Wer antritt, konkurriert also mit deutlich weniger Menschen, als die Schlagzeilen nahelegen.
Zweitens unterscheiden sich die Standorte spürbar. In Wien kommen auf einen Platz gut acht Angetretene, in Linz nur gut fünf. Das heißt nicht, dass der Test in Wien schwerer wäre, denn er ist überall identisch. Es heißt, dass dort mehr Menschen um dieselbe Platzzahl konkurrieren und die Ranglistengrenze deshalb regelmäßig höher liegt.

2Medizinische Universität Wien
Die MedUni Wien in der Spitalgasse im 9. Bezirk ist die größte medizinische Ausbildungsstätte Österreichs und international für ihre Forschung bekannt. Sie ist mit dem AKH Wien verbunden, einem der größten Krankenhäuser Europas, was ein außergewöhnlich breites klinisches Angebot bedeutet. Mit 704 Plätzen in der Humanmedizin und 80 in der Zahnmedizin ist sie zugleich der größte Standort.
Der Preis dafür ist die Konkurrenz: Wien zieht mit Abstand die meisten Bewerbungen an und hat traditionell die höchste Ranglistengrenze aller vier Standorte.
3Medizinische Universität Innsbruck
Innsbruck ist der zweitgrößte Standort mit 390 Plätzen in der Humanmedizin und 40 in der Zahnmedizin. Durch die Lage in Tirol ist die Universität besonders für Bewerber aus dem süddeutschen Raum attraktiv, was sich in einem vergleichsweise starken EU-Kontingent niederschlägt. Für Südtiroler ist Innsbruck ohnehin die naheliegende Adresse, und wer dort auf Deutsch oder Ladinisch maturiert hat, tritt im Österreich-Kontingent an, nicht im EU-Kontingent. Die Stadt ist überschaubar, die Berge liegen vor der Tür, und das ist bei sechs Jahren Studium durchaus ein Argument.
4Medizinische Universität Graz
Die MedUni Graz ist seit 2004 eigenständig und war zuvor Fakultät der Karl-Franzens-Universität. Sie vergibt 382 Plätze in der Humanmedizin und 24 in der Zahnmedizin (das kleinste Zahnmedizin-Kontingent des Landes). Graz gilt als Studentenstadt mit vergleichsweise günstigen Lebenshaltungskosten und liegt beim Bewerberverhältnis im günstigeren Drittel.
5Medizinische Fakultät der JKU Linz
Linz ist der jüngste Standort und hat sich am stärksten entwickelt: von 60 Plätzen im Jahr 2014 auf heute 330. In der Aufbauphase wurden die ersten Studienjahre noch in Graz absolviert, inzwischen findet das gesamte Studium in Linz statt. Angeboten wird ausschließlich Humanmedizin: Wer Zahnmedizin studieren will, kann sich hier nicht anmelden.
Linz hat konstant das günstigste Bewerberverhältnis der vier Standorte und traditionell auch die niedrigste Ranglistengrenze.
6Wie du dich entscheidest
Drei Fragen helfen bei der Wahl. Erstens: Wo willst du die nächsten Jahre tatsächlich leben (mit Miete, Wegzeiten und sozialem Umfeld)? Zweitens: Wie sicher bist du dir bei deinem Ergebnis? Wer knapp kalkuliert, verbessert seine Aussichten an einem Standort mit günstigerem Verhältnis spürbar. Drittens: Willst du Zahnmedizin studieren, fällt Linz von vornherein weg.
Was du nicht tun solltest, ist die Wahl allein an der Bewerberzahl auszurichten. Diese Verhältnisse schwanken von Jahr zu Jahr, und ein Studienort, an dem du dich nicht wohlfühlst, kostet dich über sechs Jahre mehr als ein paar Ranglistenplätze.