Vergabe der Studienplätze und Eignungstest
In die Schweiz führen zwei Wege, und welcher für dich gilt, entscheidest du im Grunde mit der Antwort auf eine einzige Frage: Kannst und willst du auf Französisch studieren?
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1Weg 1: Französischsprachige Universitäten
An drei französischsprachigen Standorten gibt es keinen Numerus clausus und keinen Aufnahmetest. Du schreibst dich einfach ein: Genf, Lausanne und Neuenburg. Freiburg liegt zwar ebenfalls in der Westschweiz, unterrichtet aber zweisprachig auf Deutsch und Französisch und verlangt, anders als die drei Nachbarn, den EMS.
Kein Test heisst nicht kein Auswahlverfahren. Diese Universitäten arbeiten mit offener Einschreibung und Selektion am Ende des ersten Studienjahres. Die Hürde ist nicht weg, denn sie wird nur vom Test vor dem Studium in eine Prüfung nach dem ersten Jahr verschoben.
2Weg 2: Der EMS
An allen übrigen Standorten führt kein Weg am Eignungstest für medizinische Studiengänge vorbei, weil er dort das einzige Zugangskriterium ist. Das betrifft Basel, Bern, Zürich (samt der Tracks für Luzern und St. Gallen), die ETH Zürich, Lugano und eben auch Freiburg.
„Numerus clausus“ bedeutet in der Schweiz etwas anderes als in Deutschland. Er hängt nicht an deiner Abschlussnote, sondern ausschliesslich an deinem EMS-Ergebnis. Deine Maturitäts- oder Abiturnote spielt für die Zulassung keine Rolle.
3Welches Ergebnis du brauchst
Zulassungsgrenzen werden nicht pro Standort festgelegt, denn Test-Prozentrang und mittlerer Rangplatz werden unabhängig vom gewünschten Studienort ermittelt und gelten pro Disziplin für alle Standorte gleich. Für die Humanmedizin lag die Grenze zuletzt bei einem Test-Prozentrang von 65 bis 70 (2025: 66). Der Test-Prozentrang sagt, wie viel Prozent der Teilnehmer gleich gut oder schlechter waren, weshalb hier gilt: je höher, desto besser. Bei Gleichstand genau auf der Grenze entscheidet der mittlere Rangplatz, dort ist ein niedriger Wert der bessere.
Der EMS lässt sich mehrfach absolvieren, und seit der Reform gilt das auch für den deutschen TMSnat (nur der alte TMS kannte eine Grenze von zwei Versuchen). Ein schwacher erster Versuch ist in der Schweiz also kein endgültiges Urteil.
Du sprichst gut Französisch: Dann sind Genf, Lausanne oder Neuenburg der direkte Weg, ganz ohne Test, dafür aber mit einer harten Selektion nach dem ersten Jahr. Sprichst du kein Französisch, bereitest du den EMS vor und zielst auf Zürich, Bern, Basel oder Lugano.
Zwei Wege gibt es: Genf, Lausanne und Neuenburg ohne Test mit Selektion nach Jahr 1, alle übrigen Standorte dagegen über den EMS. Der Schweizer NC hängt am Testergebnis, nicht an der Schulnote. Richtwert für die Humanmedizin: ein Test-Prozentrang von 65 bis 70. Und ohne Schweizer Pass oder Wohnsitz kommst du an keinem der Standorte hinein, auch nicht an den drei ohne Numerus clausus.
4Was sich am Zulassungsverfahren ändern soll
Am 16. Juni 2026 hat die Universitäre Medizin Zürich im Auftrag der Kammer universitäre Hochschulen von swissuniversities einen Grundlagenbericht vorgelegt, der beide heutigen Zugangswege auf den Prüfstand stellt. Auslöser waren zwei parlamentarische Vorstösse, die Motionen Roduit und Hurni, und die Kritik, dass die bestehenden Verfahren fast ausschliesslich kognitive Fähigkeiten messen, während Kommunikation, Empathie oder Belastbarkeit kaum eine Rolle spielen.
Die erste und für dich wichtigste Empfehlung sieht ein schweizweit einheitliches Verfahren vor Studienbeginn vor, das einen kognitiv ausgerichteten Test mit einem zweiten Verfahren für nicht-kognitive Kompetenzen kombiniert, zu denen der Bericht Kommunikation, Interaktion, Empathie und Resilienz zählt. Weil dabei überall vor dem ersten Semester ausgewählt würde, liefe das auf das Ende des Concours hinaus: Genf, Lausanne und Neuenburg müssten dann ebenfalls vor Studienbeginn selektieren statt nach dem ersten Jahr.
Entscheidend ist der Zeitplan, und der ist lang. Der Bericht nennt als Zielhorizont die Vorbereitung der Reform bis 2032 und die Umsetzung in der Planungsperiode 2033 bis 2036, ausdrücklich abhängig davon, ob die Kantone ihre Rechtsgrundlagen rechtzeitig anpassen. Wer in den nächsten Jahren antritt, plant also weiterhin mit dem Verfahren, das auf dieser Seite beschrieben ist, denn die Reform betrifft frühestens den Jahrgang, der Anfang der 2030er-Jahre einsteigt.
Eine zweite Empfehlung räumt mit einer verbreiteten Hoffnung auf: Der Bericht rät ausdrücklich davon ab, Bonuspunkte für Vorleistungen einzuführen. Ein Praktikum, eine abgeschlossene Berufsausbildung im Gesundheitswesen oder ein naturwissenschaftliches Studium sollen also auch künftig nicht auf das Testergebnis angerechnet werden. Solche Tätigkeiten können dir fachlich viel bringen, sie verbessern deine Zulassungschance aber nicht.
5Wie hart der Concours wirklich siebt
Wenn du mit dem Gedanken spielst, über die Romandie einzusteigen, weil dort kein Test vor dem Studium steht, lohnt ein Blick auf die Kapazitäten, die der Bericht bei den Fakultäten erhoben hat. Sie zeigen, wie viele Plätze im ersten und wie viele im zweiten Studienjahr zur Verfügung stehen:
| Universität | Plätze 1. Studienjahr | Plätze 2. Studienjahr |
|---|---|---|
| Genf | 500 | 170 |
| Lausanne | 900 | 245 |
| Neuenburg | 70 | — |
| zusammen | 1470 | 415 |
Von rund 1470 Studenten im ersten Jahr kommen also gut 400 ins zweite: Der offene Zugang zu Studienbeginn täuscht darüber hinweg, dass die Hürde nur verschoben ist. Bemerkenswert ist dabei ein zweiter Befund des Berichts: Ausserhalb dieses ersten Jahres brechen landesweit weniger als fünfzig Studenten pro Jahr das Medizinstudium ab. Wer die Auswahlphase hinter sich hat, kommt in aller Regel auch durch.
6Mehr Studienplätze, aber erst gegen Ende des Jahrzehnts
Dass die Schweiz zu wenig ärztlichen Nachwuchs selbst ausbildet, ist im Bericht kein Nebensatz, sondern der rote Faden: Über vierzig Prozent der hier tätigen Ärzteschaft hat den Abschluss im Ausland gemacht. Empfohlen wird deshalb ein zweites Sonderprogramm, mit dem die Universitäten für jeden zusätzlich geschaffenen Studienplatz eine Pauschale erhalten.
Am weitesten ist Zürich mit dem Vorhaben Med500+, das die Zahl der Plätze im ersten Bachelorjahr deutlich erhöhen soll. Der Ausbau ist auf das akademische Jahr 2030/2031 angelegt, die zusätzlichen Abschlüsse werden entsprechend erst ab 2036 wirksam. Für deine Planung heisst das nüchtern: Die Zahl der Plätze wächst, aber nicht in dem Zeitraum, in dem du dich bewirbst. Der Engpass ist ohnehin weniger das Geld als die Zahl der klinischen Ausbildungsplätze, an denen am Krankenbett unterrichtet werden kann.