Zusätzliche Eignungsquote: TMS, HAM-Nat, Berufsausbildung
Die Zusätzliche Eignungsquote ist das jüngste Element im Vergabeverfahren und zugleich das interessanteste, wenn deine Abiturnote nicht im Spitzenbereich liegt. Denn hier wird sie überhaupt nicht berücksichtigt.
Über die ZEQ werden 10 % der Plätze der Hauptquote vergeben, also rund 8 % aller Studienplätze. Ausschlaggebend sind ausschließlich schulnotenunabhängige Kriterien.
Die ZEQ ist der einzige Weg ins Medizinstudium, bei dem deine Abiturnote keine Rolle spielt, ohne dass du dich dafür langfristig verpflichten musst wie in der Landarzt- oder Bundeswehrquote.
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1Die fünf zulässigen Kriterien
Welche Kriterien überhaupt verwendet werden dürfen, ist bundesweit standardisiert. Es sind genau fünf:
| Kriterium | Was zählt |
|---|---|
| Medizinertests | bis Ende 2026 TMS und HAM-Nat, ab 2027 der TMSnat: siehe die Lektion zu den Medizinertests |
| Interviews | strukturierte Auswahlgespräche der Universität |
| Dienste | z. B. FSJ, Bundesfreiwilligendienst — ab 11 Monaten; Ehrenamt bei Feuerwehr, DRK, THW, DLRG, ASB, Johannitern oder Maltesern ab 2 Jahren |
| Preise | Auswahlwettbewerbe zu den internationalen Olympiaden in Biologie, Chemie, Physik, Mathematik und Informatik sowie Bundessiege bei „Jugend forscht“ (1. bis 3. Preis) |
| Berufsausbildung und -tätigkeit | anerkannte Gesundheitsberufe, u. a. Gesundheits- und Krankenpfleger, Notfallsanitäter, MTA, RTA, Physiotherapeut, Hebamme, Arzthelfer, Logopäde, Ergotherapeut |
2Wie bewertet wird
Alle Bewerber werden über ein 100-Punkte-System bewertet. Wie die Universität die fünf Kriterien gewichtet, entscheidet sie selbst, doch die Obergrenze ist überall dieselbe. Bei Ranggleichheit wird bevorzugt, wer einen Dienst geleistet hat: Erst danach entscheidet das Los.
Jede Universität gewichtet anders, und mit der Umstellung auf den TMSnat legen alle Fakultäten ihre Kriterien bis 2027 neu fest. Prüfe die Gewichtung deiner Wunschuniversitäten deshalb im Bewerbungsjahr neu, nicht anhand älterer Übersichten.
Du hast ein Abitur von 2,1, ein sehr gutes Testergebnis und ein zwölfmonatiges FSJ auf einer Intensivstation. In der Abiturbestenquote bist du damit chancenlos, während in der ZEQ deine Note gar nicht zählt und beide anderen Punkte voll einzahlen.
3Warum überhaupt Tests statt Noten
Dass ein Test acht Prozent der Plätze allein entscheidet, wirkt auf den ersten Blick willkürlich, zumal die Abiturnote jahrzehntelang als bester verfügbarer Hinweis auf Studienerfolg gegolten hat. Genau dieser Befund hat sich verschoben. Neuere Untersuchungen zeigen eine abnehmende Vorhersagekraft der Abiturnote, während standardisierte Eignungstests teils eine höhere, in jedem Fall aber eine zusätzliche Vorhersagekraft liefern: Sie erklären etwas, das die Note nicht abdeckt.
Als Beleg dient eine Mehrstandortstudie von Jaehn und Kollegen, erschienen 2025 in BMC Medical Education. Sie wird auch im schweizerischen Grundlagenbericht zum Medizinstudium vom Juni 2026 herangezogen, der aus demselben Grund empfiehlt, künftig überall vor Studienbeginn zu testen statt nach Schulnoten auszuwählen. Die Entwicklung läuft also in beiden Ländern in dieselbe Richtung: weg von der Note, hin zu einem Verfahren, das mehrere Fähigkeiten getrennt misst.
Für dich hat das eine sehr praktische Folge: Das Gewicht dieser Quote wächst, und mit dem TMSnat bekommt sie ab 2027 ein Verfahren, das stärker auf naturwissenschaftliches Verständnis zielt. Wer eine mittlere Abiturnote hat, gewinnt dadurch, weil die Note hier ohnehin nicht angerechnet wird.
8 % aller Plätze, komplett ohne Abiturnote. Fünf zulässige Kriterien, 100-Punkte-System, Gewichtung je Universität verschieden und ab 2027 überall neu gesetzt. Für alle mit mittlerer Note der wichtigste Hebel.