Deutschland: Aufbau des Medizinstudiums
Das Medizinstudium in Deutschland dauert sechs Jahre und drei Monate und gliedert sich in drei Abschnitte, die jeweils mit einem Staatsexamen enden. Der Abschluss ist bundesweit derselbe, egal, an welchem Standort du studierst.
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1Die drei Abschnitte
| Abschnitt | Dauer | Abschluss |
|---|---|---|
| Vorklinik | 2 Jahre | 1. Staatsexamen — das Physikum |
| Klinik | 3 Jahre | 2. Staatsexamen |
| Praktisches Jahr (PJ) | 1 Jahr | 3. Staatsexamen |
Das 2. Staatsexamen hieß früher wegen seiner Stofffülle im Studentenjargon Hammerexamen. Der Name ist geblieben, auch wenn die offizielle Bezeichnung „Zweiter Abschnitt der ärztlichen Prüfung“ lautet.
2Was du in welchem Abschnitt lernst
| Vorklinik | Klinik | Praktisches Jahr |
|---|---|---|
| Biologie, Chemie, Physik und Mathematik für Mediziner; Anatomie; Physiologie; Biochemie und Molekularbiologie; Histologie; Embryologie; Medizinische Psychologie und Soziologie; Medizinische Terminologie; Krankenpflegepraktikum; Wahlfächer | Innere Medizin, Chirurgie, Allgemeinmedizin, Anästhesiologie, Augenheilkunde, Dermatologie, Frauenheilkunde, HNO, Humangenetik, Kinderheilkunde, Neurologie, Orthopädie, Pathologie, Pharmakologie, Psychiatrie, Rechtsmedizin, Urologie — dazu Querschnittsfächer wie Notfallmedizin, Palliativmedizin, Schmerzmedizin, Epidemiologie und Ethik der Medizin | Innere Medizin, Chirurgie und ein Wahlfach |
Latein brauchst du nicht mehr. Weil sich jahrelanger Schulunterricht nicht in sechs Monaten nachholen lässt, wurde das Latinum gestrichen und durch das Fach Medizinische Terminologie ersetzt.
3Praktische Anteile
Neben Vorlesungen und Prüfungen gehören feste Praxisphasen dazu:
- Krankenpflegepraktikum: in der Vorklinik
- Famulatur: ärztliche Praktika im klinischen Abschnitt
- Praktisches Jahr: ein volles Jahr in der Klinik
Wie viel du in einer Famulatur wirklich lernst, hängt stark davon ab, wie viel du fragst. In der Chirurgie darfst du meist über das Hakenhalten hinaus auch nähen, in der Inneren Medizin unter ärztlicher Aufsicht untersuchen und diagnostische Prozeduren durchführen.
4Regel-, Modell- und Reformstudiengang
Trotz bundesweit einheitlicher Staatsexamina gibt es seit 1999/2000 drei Studiengangsformen. Details dazu findest du in der Lektion Studienorte für Humanmedizin. Der wichtigste Unterschied für deinen Alltag: In vielen Modellstudiengängen entfällt das Physikum in seiner klassischen Form, und das praktische Jahr kann in Quartalen organisiert sein.
Die Studiengangsform ist kein Qualitätsurteil. Sie sagt etwas über den Aufbau aus, nicht über die Güte der Ausbildung, und dein Abschluss ist am Ende überall derselbe.
Vorklinik (2 Jahre, Physikum), Klinik (3 Jahre, 2. Staatsexamen), Praktisches Jahr (1 Jahr, 3. Staatsexamen). Dazu Krankenpflegepraktikum und Famulaturen. Drei Studiengangsformen, ein bundesweit gleicher Abschluss.
5Ausblick: die Reform der Approbationsordnung
Eine neue Ärztliche Approbationsordnung ist seit Jahren in Arbeit. Sie war für 2025 geplant, ist auf frühestens 1. Oktober 2027 verschoben, und ob sie dann kommt, ist offen: Die Finanzierung von rund 300 Millionen Euro ist zwischen Bund und Ländern ungeklärt.
Geplant sind unter anderem:
- der Nationale Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Medizin (NKLM) wird verbindlich
- die strikte Trennung von Vorklinik und Klinik entfällt: klinische Inhalte ab dem ersten Semester
- das Physikum rückt zeitlich nach hinten
- im Praktischen Jahr wird mindestens ein Quartal in einer Praxis verpflichtend, zur Stärkung der Allgemeinmedizin
Bis die neue Approbationsordnung in Kraft tritt, gilt alles Beschriebene unverändert. Wer 2026 oder 2027 anfängt, sollte die Entwicklung aber im Blick behalten, denn sie würde den Aufbau des Studiums spürbar verändern.