Wie du 12 Punkte bei Emotionen regulieren erreichst
Veröffentlicht am 21. Januar 2023. Zuletzt aktualisiert am 28. August 2026.
Wer sich auf den MedAT 2027 vorbereitet, trifft bei Emotionen regulieren auf zwölf Aufgaben in 18 Minuten – so war der Untertest zuletzt zusammengesetzt. Zu jeder Situation stehen vier Handlungen in der Ich-Form zur Auswahl, und gesucht ist die, mit der das im Text genannte Ziel am besten erreicht wird. Der Untertest macht dreißig Prozent der sozial-emotionalen Kompetenzen aus und damit drei Prozent des gesamten MedAT.
Der Untertest Emotionen regulieren ist seit 2023 Teil des Testteils sozial-emotionale Kompetenzen (SEK) beim MedAT und damit der jüngste der drei. Er ist auch der einzige, bei dem es nicht darum geht, ein Gefühl zu benennen, sondern darum, was jemand mit einem Gefühl anfangen soll.
Wie viele Aufgaben werden in welcher Zeit geprüft?
Zuletzt waren es zwölf Aufgaben in 18 Minuten, und mit dieser Zusammensetzung solltest du auch für 2027 rechnen. Das sind neunzig Sekunden je Aufgabe, in denen du eine längere Situationsbeschreibung liest und vier Handlungsmöglichkeiten gegeneinander abwägst – von den drei Untertests der sozial-emotionalen Kompetenzen ist das der mit dem meisten Text je Punkt.
Welche Fähigkeit wird geprüft?
Mit dem Untertest Emotionen regulieren wird deine Fähigkeit erfasst, dich in Personen hineinzufühlen und deren Emotionen zu regulieren, indem du Entscheidungen triffst, die zu einem Ziel passen, das sich dieser Mensch gesetzt hat. Die Medizinische Universität Graz beschreibt es in ihren Hinweisen zur MedAT-Vorbereitung als Kenntnisse darüber, wie wirksam verschiedene Arten des Umgangs mit Emotionen in Situationen sind, in denen bestimmte Ziele erreicht werden müssen: Aus vier angebotenen Möglichkeiten ist die auszuwählen, mit der die vorgegebenen Ziele am besten zu erreichen sind.
Warum prüfen die Testersteller das?
Als Arzt ist es sehr wichtig, ein Vertrauensverhältnis zu den Patienten aufzubauen. Um das zu erreichen, ist es unerlässlich, angemessen mit Emotionen umgehen zu können – mit den eigenen und mit denen des Gegenübers.
So sehen die Aufgaben aus
Es werden dir Situationen geschildert, in denen eine Person eine oder mehrere negative Emotionen empfindet. Darüber hinaus enthält die Situationsbeschreibung sowohl Rahmenbedingungen als auch Ziele, die diese Person erreichen möchte. In den Antwortmöglichkeiten stehen vier Entscheidungen zur Auswahl, alle in der Ich-Form als Vorsätze formuliert. Eine fünfte Möglichkeit im Sinne von „keine der Antworten“ gibt es hier nicht.
Die drei Angaben, die über die Antwort entscheiden
Wer die Aufgaben nach Gefühl löst, kommt auf eine mittlere Trefferquote. Wer sie nach System löst, kommt deutlich weiter – und das System steht jedes Mal im Text. Jede Situationsbeschreibung nennt drei Dinge, und aus deren Kombination folgt die richtige Handlung fast zwingend: das Ziel, das die Person erreichen will, ihre Verfassung, also ob sie ausgeruht oder erschöpft ist, und die Beeinflussbarkeit der Lage, also ob sich an der Situation überhaupt noch etwas ändern lässt.
| Was im Text steht | Was dann die beste Handlung ist |
| Lage nicht mehr veränderbar, Person ist fit | Neubewertung – die Situation anders deuten. Stehen mehrere Neubewertungen zur Wahl, gewinnt die, die auf das genannte Ziel einzahlt |
| Person ist erschöpft oder überlastet | Unterstützung holen oder annehmen, was nicht zu ändern ist. Neubewertung ist dann falsch, weil sie ausdrücklich Kraft kostet |
| Lage noch veränderbar, das Problem ist abwendbar | handeln: nachfragen, Information beschaffen, Hilfe holen, eine Aufgabe abgeben |
| Eskalation droht und das Ziel erlaubt es | die Situation verlassen |
| Es geht um eine Beziehung | die Sicht des anderen anerkennen und nachfragen, statt die eigene durchzusetzen |
Und der wichtigste Satz zum Schluss: Es geht nicht um moralische Bewertung, sondern um Zielerreichung. Gefragt ist nicht, welche Handlung die anständigste ist, sondern welche die Person dem Ziel am nächsten bringt, das im Text steht.
So könnte eine Aufgabe aussehen
Situation: Niklas ist ein sehr ehrgeiziger und schlauer 18-jähriger Junge und war in der Schule stets Klassenbester. Selten hat Niklas schlechtere Noten als eine 1- geschrieben. Letzte Woche, am Vortag vor einer wichtigen Physik-Arbeit, hat Niklas schlecht geschlafen, da seine Eltern länger bei Freunden zu Besuch waren und seine jüngeren Geschwister sich im Nebenzimmer trotz mehrmaliger Ermahnungen laut unterhalten und miteinander gespielt haben. Heute, eine Woche nach der Arbeit, erhält er sein Ergebnis. Seine Note ist eine 3- und er ist dieses Mal nur der Viertbeste in seiner Klasse. Als er die Note erhält, spürt Niklas Enttäuschung, Wut auf seine Geschwister und Neid, da andere Schüler dieses Mal besser abgeschnitten haben als er. Was soll Niklas in dieser Situation tun?
- A: Ich kann meinen Mitschülern ehrlich sagen, dass ich enttäuscht darüber bin, nicht der Klassenbeste zu sein, und versprechen, bei der nächsten Klassenarbeit wieder eine 1+ zu schreiben.
- B: Ich kann meine Wut, meinen Neid und meine Enttäuschung wahrnehmen und im Anschluss rational entscheiden, dass der beste Weg, wieder Klassenbester zu werden, ein Gespräch mit meinen Geschwistern ist, um ihnen in Ruhe zu erklären, wie wichtig mein Schlaf für gute Leistungen in der Schule ist.
- C: Ich kann mit meinem Lehrer sprechen und ihm erklären, dass ich die Klassenarbeit noch einmal schreiben möchte, weil meine Geschwister mich am Vorabend lange wach gehalten haben.
- D: Ich kann meinen Eltern sagen, dass der Grund für die schlechte Note meine Geschwister waren, die mich am Vorabend lange wach gehalten haben.
Richtig ist B. Geh die drei Angaben durch: Das Ziel ist, wieder Klassenbester zu werden. Über Niklas’ Verfassung sagt der Text nichts Einschränkendes, er ist also handlungsfähig. Und die Lage ist veränderbar, denn die Ursache – der gestörte Schlaf – kann sich wiederholen und lässt sich abstellen. Damit fällt die Entscheidung auf Handeln an der Ursache, und genau das ist B: Niklas nimmt seine Emotionen wahr, erkennt den Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Note und schafft das Problem sachlich aus der Welt.
A teilt die Enttäuschung ausgerechnet denen mit, die sie nicht verursacht haben, und setzt an die Stelle einer Handlung ein Versprechen. C handelt zwar, aber an der falschen Stelle: Die Arbeit zu wiederholen ändert nichts daran, dass die nächste Nacht wieder gestört sein kann. D schiebt die Verantwortung ab und befasst sich mit den eigenen Emotionen überhaupt nicht.
Drei Fallen, die regelmäßig Punkte kosten
Die erste ist Unterdrücken. Antworten, in denen sich jemand nichts anmerken lässt, wirken oft souverän und sind fast immer falsch. Es gibt genau eine Ausnahme: wenn das Ziel im Text ausdrücklich lautet, nichts anmerken zu lassen, und die Person zugleich belastbar ist.
Die zweite sind Ablenkung und Grübeln. „An etwas Schönes denken“ und „mich fragen, warum mich das so trifft“ stehen erstaunlich oft zur Auswahl und sind in dieser Prüfung ausnahmslos die schwächere Wahl, weil beide das Ziel nicht berühren.
Die dritte ist die moralische Brille. Wer die anständigste Antwort sucht statt der wirksamsten, wählt regelmäßig die zweitbeste. Ein guter Gegentest: Begründe deine Wahl rückwärts, also erkläre dir selbst, warum sie das genannte Ziel erreicht. Trägt die Begründung nicht, war es die falsche Antwort.
Wie viel Prozent macht der Untertest aus?
Die zehn Prozent Gewichtung der sozial-emotionalen Kompetenzen bleiben. Emotionen regulieren macht zwölf von insgesamt vierzig Aufgaben bei SEK aus. Das sind dreißig Prozent der Punkte innerhalb des Testteils und drei Prozent des gesamten MedAT.
Wie sinnvoll ist dieser Untertest?
Soziale Fähigkeiten mit Situationsbeschreibungen auf Papier abzuprüfen ist schwierig. Weder im Studium noch später im Beruf wird man mit Situationsbeschreibungen konfrontiert sein, die man wieder auf Papier lösen muss. Doch die Testersteller stehen vor dem Problem, dass sie nicht 16.000 Menschen interviewen können, und müssen sich irgendwie behelfen. Auch wenn der Testteil sozial-emotionale Kompetenzen oft in der Kritik steht, nicht zielführend zu sein, ist er ein Versuch, mehr sozial kompetente Ärzte auszubilden – und das ist eine gute Sache.
Die beiden anderen Untertests dieses Testteils sind Soziales Entscheiden und Emotionen erkennen. Wie sich die Punkte im Gesamtwert auswirken, steht in der Statistik zu den Gesamtwerten, der Aufbau des ganzen Testtags in der Übersicht zum MedAT. Übungsaufgaben zu allen Untertests findest du im MedAT-Kurs.
Häufige Fragen
Wie viele Aufgaben hat Emotionen regulieren beim MedAT 2027?
Zuletzt waren es zwölf Aufgaben in 18 Minuten, also neunzig Sekunden je Aufgabe, und mit dieser Zusammensetzung ist auch 2027 zu rechnen. Verbindlich wird sie erst, wenn die Universitäten sie vor der Anmeldung veröffentlichen.
Gibt es bei Emotionen regulieren eine fünfte Antwortmöglichkeit?
Nein. Anders als bei den meisten anderen Untertests stehen genau vier Möglichkeiten zur Wahl, alle in der Ich-Form, und eine davon ist zu wählen. Ein „keine der Antwortmöglichkeiten“ gibt es hier nicht.
Woran erkenne ich die richtige Antwort?
An drei Angaben, die immer im Text stehen: dem Ziel der Person, ihrer Verfassung und der Frage, ob sich an der Lage noch etwas ändern lässt. Aus deren Kombination folgt, ob gehandelt, neu bewertet, Unterstützung geholt oder die Situation verlassen werden sollte.
Ist die moralisch beste Antwort auch die richtige?
Nicht unbedingt. Bewertet wird, wie gut eine Handlung das im Text genannte Ziel erreicht, nicht wie anständig sie wirkt. Das ist der häufigste Grund, warum jemand die zweitbeste Antwort ankreuzt.

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