EMS Diagramme und Tabellen: 18 Aufgaben in 45 Minuten

EMS Diagramme und Tabellen: 18 Punkte in 45 Minuten

Veröffentlicht am 28. August 2026. Zuletzt aktualisiert am 28. August 2026.

Diagramme und Tabellen ist die achte der neun Aufgabengruppen des EMS und damit die vorletzte des Tages. Du bekommst 18 Aufgaben in 45 Minuten, also zweieinhalb Minuten je Aufgabe, und holst dir hier 18 von insgesamt 162 Punkten. Taschenrechner, Lineal und Geodreieck sind untersagt – dir bleiben der Bleistift, der Radiergummi und dein Kopf.

Geprüft wird, ob du Informationen aus Grafiken und Tabellen korrekt entnimmst, sie zueinander in Beziehung setzt und daraus richtig weiterrechnest, wobei die Rechnungen im Bereich von Prozent und Dreisatz bleiben.

Mehr Denken, als die Aufgaben aussehen

Dass darin mehr steckt als blosse Sorgfalt, zeigt eine einzige Zahl des ZTD aus dem Jahr 2025: Mit einer Ladung von 0,78 auf dem Faktor schlussfolgerndes Denken hängt keine andere der neun Aufgabengruppen so stark an diesem Faktor. Merken musst du dir den Wert nicht – er soll dir nur zeigen, dass hier mehr Denken drinsteckt, als die Aufgaben vermuten lassen.

Die leichteste der vier Denkgruppen

Zugleich war diese Gruppe 2025 die leichteste unter den vier Aufgabengruppen des schlussfolgernden Denkens: Der Mittelwert lag bei 8,9 von 18 Punkten, während er beim Textverständnis bei 7,5 und beim Medizinisch-naturwissenschaftlichen Grundverständnis bei 7,9 lag.

Unwichtig ist sie deswegen nicht, im Gegenteil. Weil hier mehr Punkte erreichbar sind, ist der Abstand zwischen sauberem und schludrigem Arbeiten grösser als anderswo – und wer die sechs Fallen kennt, holt zwei bis drei Punkte, die in den schweren Gruppen kaum zu holen wären.

Warum sie ganz ans Ende gelegt wurde

Diagramme und Tabellen beginnt nach 182 Minuten reiner Bearbeitungszeit, also direkt nach der Reproduktionsphase der beiden Lerntests; danach folgt nur noch das Konzentrierte und sorgfältige Arbeiten. Mit Instruktionen, Heftwechsel und Einlasskontrolle sitzt du dann seit mehr als dreieinhalb Stunden im Testraum.

Das ist Teil der Anforderung, denn die Test-Info schreibt ausdrücklich, die Bearbeitungszeit stelle hohe Anforderungen an Ausdauer, Konzentrationsfähigkeit sowie psychische wie physische Belastbarkeit. Nirgends sonst entstehen deshalb so viele Flüchtigkeitsfehler – nicht, weil die Aufgaben schwer wären, sondern weil die Aufmerksamkeit nachlässt. Nutze die Instruktionszeit davor also bewusst als Pause; die Test-Info empfiehlt einfache Entspannungstechniken ausdrücklich.

Die letzte Gelegenheit auf dem Antwortbogen

In der Test-Info steht ein Satz, den fast alle überlesen, obwohl er über mehrere Punkte entscheiden kann. Aufgaben, die du in früheren Gruppen nicht gelöst oder gar nicht erreicht hast, darfst du auf dem Antwortbogen auch während einer späteren Aufgabengruppe nachträglich markieren. Untersagt ist das nur während der Einprägephasen der beiden Lerntests, während des Konzentrationstests und nach Abschluss von Diagramme und Tabellen – danach schliesst sich der Antwortbogen endgültig.

Weil es ausser beim Konzentrationstest keine Minuspunkte gibt, ist jedes leere Feld ein verschenkter Erwartungswert von 0,2 Punkten. Wer zehn Felder nachträgt, gewinnt im Mittel zwei Punkte. Nimm dir dafür bewusst die letzte Minute dieser Gruppe.

Aufbau und die sechs Aufgabentypen

Du bekommst eine Darstellung – eine Tabelle, ein Balken-, Linien- oder Kreisdiagramm –, dazu mehrere Fragen mit je fünf Antwortmöglichkeiten. Sechs Aufgabentypen decken das Meiste ab: Beim Ablesen entnimmst du einen einzelnen Wert, beim Vergleichen suchst du den grössten, kleinsten oder am stärksten gewachsenen Wert, und bei den Anteilen dreht sich alles darum, worauf sich der Prozentsatz bezieht. Dazu kommen Trends über die Zeit, das Kombinieren aus zwei Darstellungen und das Beurteilen, bei dem du entscheidest, welche Aussage die Darstellung hergibt. Wie überall im Test beginnen die Aufgaben mit den leichteren.

Beispiel 1 – der Nenner entscheidet

Nimm eine Tabelle, die alle Notfallkonsultationen eines Jahres nach Spital und Dringlichkeitsstufe aufschlüsselt. Aarwangen und Buchsee haben je 4’000 Konsultationen, Churwalden 2’500 und Dornach 5’500, zusammen also 16’000; die Spalten teilen die Fälle in die dringenden Stufen 1 bis 2, die Stufe 3 und die nicht dringenden Stufen 4 bis 5 auf.

Gefragt wird nach dem Spital mit dem höchsten Anteil nicht dringender Konsultationen an allen eigenen Konsultationen – damit ist die Zeilensumme deine Bezugsgrösse. Aarwangen kommt auf 2’400 von 4’000, also 60 Prozent, Buchsee auf 1’700 von 4’000, also 42,5 Prozent, Churwalden auf 1’550 von 2’500, also 62 Prozent, und Dornach auf 2’400 von 5’500, also rund 44 Prozent. Richtig ist Churwalden.

Mindestens genauso lehrreich sind die falschen Optionen. Aarwangen und Dornach haben mit je 2’400 die höchste absolute Zahl, weshalb die Option, die beide gleichauf sieht, all jene einsammelt, die absolut mit relativ verwechseln. Dornach hat insgesamt die meisten Konsultationen, was eine weitere Option attraktiv macht. Und ausgerechnet Churwalden, die richtige Antwort, ist das kleinste Spital der Tabelle – also die Zeile, die man beim Überfliegen am ehesten übergeht.

Dieselbe Zelle, drei Prozentzahlen

Zur selben Tabelle folgt eine zweite Frage: Wie viel Prozent aller nicht dringenden Konsultationen entfallen auf Dornach? Es ist dieselbe Zelle wie eben, also die 2’400, aber die Bezugsgrösse ist eine andere – gefragt ist der Anteil an der Spaltensumme von 8’050, und das ergibt rund 30 Prozent.

Die ebenfalls angebotenen 44 Prozent sind der Anteil innerhalb von Dornach und damit die Antwort auf die vorherige Frage; die 15 Prozent entsprechen dem Anteil an allen 16’000 Konsultationen. Alle drei Zahlen stammen aus derselben Zelle und unterscheiden sich nur darin, wodurch geteilt wird. Daraus folgt der zentrale Handgriff: Schreib bei jeder Prozentfrage den Nenner hin, bevor du zu rechnen beginnst.

Beispiel 2 – die abgeschnittene Achse

Nimm an, die Werte der Spalte Stufe 3 werden zusätzlich als Balkendiagramm dargestellt, wobei die senkrechte Achse nicht bei null beginnt, sondern bei 600. Der Balken von Aarwangen ist dann knapp sechsmal so hoch wie der von Churwalden – und trotzdem unterscheiden sich die tatsächlichen Zahlen nur um den Faktor 1,7, denn 1’180 geteilt durch 700 ergibt knapp 1,7. Der Eindruck vom Sechsfachen entsteht allein dadurch, dass sichtbar nur noch 580 gegenüber 100 Einheiten bleiben.

Sobald eine Achse nicht bei null beginnt, sind Balkenverhältnisse wertlos; ablesbar bleiben nur die Werte selbst und ihre Differenzen.

Beispiel 3 – plausibel ist nicht belegt

Der dritte Fragetyp will wissen, welche Aussage sich aus der Tabelle überhaupt ableiten lässt – wobei alle fünf Aussagen in der Wirklichkeit zutreffen könnten. Richtig ist die Aussage, dass in Buchsee weniger als die Hälfte der Konsultationen auf die Stufen 4 bis 5 entfällt, weil 1’700 von 4’000 eben 42,5 Prozent sind.

Alle anderen Optionen verlangen Angaben, die nicht dastehen: Für eine Aussage über die Zahl der Ärzte bräuchtest du Personalzahlen, für die Überlastung einen Massstab, für den Vergleich mit dem Vorjahr dessen Werte und für eine Rate je Einwohner die Einwohnerzahlen. Frag dich deshalb nicht, ob eine Option stimmen könnte, sondern ob die dafür nötige Zahl in der Darstellung steht – im Arztberuf tust du vor einer Studiengrafik später nichts anderes.

Die fünf Arbeitsschritte

  1. Erst die Beschriftung, dann die Zahlen. Bevor du die erste Zahl ansiehst, liest du Titel, Achsen, Einheiten, Legende und Fussnoten, und zwar von aussen nach innen. Drei Dinge prüfst du jedes Mal: ob die senkrechte Achse bei null beginnt, in welcher Einheit die Werte stehen und ob irgendwo ein Skalenfaktor wie „in Tausend” vermerkt ist. Das kostet 20 Sekunden je Darstellung, und weil dazu mehrere Fragen gehören, verteilen sie sich auf alle davon. Legende kommt übrigens vom lateinischen legenda, also von dem, was zu lesen ist.
  2. Die Bezugsgrösse unterstreichen. Unterstreich in der Frage nicht nur, was gesucht ist, sondern vor allem, worauf es sich bezieht – Wörter wie von allen, innerhalb, je, pro oder im Vergleich zu. Du kennst das vom Preisschild im Laden, wo neben dem Packungspreis der Preis je 100 Gramm steht: Vergleichen kannst du nur, wenn du weisst, welche der beiden Zahlen du ansiehst.
  3. Prüfen, ob überhaupt gerechnet werden muss. Viele Fragen verlangen kein Ergebnis, sondern nur einen Vergleich. Oft siehst du schon daran, dass der eine Anteil deutlich über der Hälfte liegt und der andere darunter, wie die Frage ausgeht – vergleich also zuerst grob gegen ein Halb, ein Drittel oder ein Viertel.
  4. Sauber ablesen. Lineale und Geodreiecke sind untersagt, der Bleistift dagegen nicht, und seine gerade Kante leistet dasselbe. Leg sie waagrecht an einen Balken an und notiere den Wert am Rand – sonst rutschst du bei der dritten Frage zur selben Grafik in die Nachbarzeile.
  5. Die Grössenordnung prüfen. Ein Anteil kann nicht über 100 Prozent liegen, eine Teilmenge nicht grösser sein als ihr Ganzes, und die Summe aller Anteile muss 100 ergeben. Bei Tabellen liefert dir die Zeilen- oder Spaltensumme eine kostenlose Kontrolle.

Die sechs Fallen

Sechs Fehler kosten hier die meisten Punkte, und fünf davon stecken nicht in den Zahlen, sondern in der Beschriftung. Der erste ist die abgeschnittene Achse. Der zweite die falsche Bezugsgrösse, also Zeile, Spalte oder Gesamttotal. Der dritte die Verwechslung von absolut und relativ, weil die grösste absolute Zahl meist aus dem grössten Grundbestand stammt. Der vierte sind Einheiten und Skalenfaktoren, denn ein „in Tausend” in der Achsenbeschriftung verschiebt dein Ergebnis um den Faktor tausend. Der fünfte betrifft Diagramme mit zwei Achsen, denn dort gehört jede Kurve zu genau einer davon, und welche zu welcher, steht ausschliesslich in der Legende. Der sechste sind die Fussnoten mit Vermerken wie „Schätzung” oder „provisorisch”, die klein stehen und trotzdem darüber entscheiden, was die Darstellung hergibt.

Was der Testentwickler zur Vorbereitung sagt

Das ZTD äussert sich in seinen eigenen Unterlagen erstaunlich klar. In der Test-Info heisst es, die geprüften Fähigkeiten seien das Ergebnis langjähriger Lern- und Entwicklungsprozesse und entzögen sich weitgehend einer kurzfristigen Beeinflussung, weshalb sich die Vorbereitung auf die Technik der Bearbeitung konzentrieren solle. Im wissenschaftlichen Jahresbericht führt das ZTD als Stärke des Verfahrens an, es sei wenig trainierbar. Eine unabhängige Untersuchung mit 7’903 Testteilnehmenden an einem eng verwandten Eignungstest bestätigt das: Bei den komplexen Aufgabengruppen erklären Vorbereitungsform, Zeit und Geld zusammen nur etwa ein Prozent der Leistungsunterschiede.

Warum diese Gruppe trotzdem die dankbarste ist

Und dennoch zahlt sich Vorbereitung ausgerechnet hier am unmittelbarsten aus – nicht, weil sich schlussfolgerndes Denken trainieren liesse, sondern weil ein grosser Teil der Fehler hier gar keine Denkfehler sind. Wer die Achse nicht prüft, den Nenner nicht hinschreibt und die Fussnote überliest, verliert Punkte an eine Checkliste und nicht an mangelndes Können.

Trainiere deshalb die Checkliste und nicht das Denken. Die sechs Fallen sind vollständig, und wer sie in vier oder fünf Übungseinheiten automatisiert, gewinnt hier zuverlässig Punkte.

Womit du übst

Am besten mit veröffentlichten Originalversionen – das war in der genannten Untersuchung die einzige Vorbereitungsform, die sich auf alle Aufgabengruppen positiv auswirkte, weil solche Bücher echte frühere Testversionen enthalten. Im Buchhandel sind drei Originalversionen erhältlich, für dich eignen sich aber nur zwei: Teile der Originalversion I gehören zum offiziellen Probelaufmaterial, weshalb das ZTD ausdrücklich die Versionen II und III empfiehlt.

Negativ hingen dagegen die Informationsbroschüre mit minus 0,211 Punkten je Stunde sowie Computer, Foren und Austauschplattformen mit minus 0,100 Punkten je Stunde mit dem Ergebnis zusammen. Geld wirkte mit 0,004 Punkten je Franken, sodass rund 250 Franken einem einzigen Punkt entsprechen – während die Motivation mit 3,90 Punkten je Skalenpunkt der stärkste Einzelfaktor war.

Plane vier bis fünf Übungseinheiten von je 45 Minuten unter echten Zeitbedingungen ein, also ohne Taschenrechner und ohne Lineal, und arbeite jede Einheit mit der Checkliste ab: Achse, Einheit, Skalenfaktor, Legende, Fussnote, Nenner. Nach der dritten Einheit machst du das von selbst. Dazu kommen zwei vollständige Simulationen, damit du diese Gruppe im ermüdeten Zustand kennenlernst – isoliert geübt fühlt sie sich leicht an, und nach dreieinhalb Stunden Test tut sie das nicht mehr.

Zusammenfassung

Wenn du die Beschriftung vor den Zahlen liest, den Nenner hinschreibst, bevor du rechnest, und bei jeder Aussage prüfst, ob die nötige Zahl wirklich dasteht, nimmst du dieser Gruppe fast alles, was an ihr gefährlich ist. Was du hier gewinnst, gewinnst du nicht dadurch, dass du klüger wirst, sondern dadurch, dass du aufhörst, vermeidbare Fehler zu machen.

Verwandt ist Quantitative und formale Probleme. Wie der EMS insgesamt aufgebaut ist, steht in der Lektion zum EMS, Übungsaufgaben findest du im EMS-Kurs.

Häufige Fragen

Darf ich ein Lineal benutzen?

Nein, Lineal und Geodreieck sind untersagt, ebenso der Taschenrechner. Die gerade Kante deines Bleistifts leistet beim Ablesen aber dasselbe.

Kann ich Aufgaben aus früheren Gruppen noch nachtragen?

Ja. Aufgaben, die du in früheren Gruppen nicht gelöst oder nicht erreicht hast, darfst du auf dem Antwortbogen auch später noch markieren – ausser während der Einprägephasen, während des Konzentrationstests und nach Abschluss dieser Gruppe. Danach schliesst sich der Antwortbogen endgültig.

Wie schwer ist die Gruppe im Vergleich?

Im Testjahr 2025 lag der Mittelwert bei 8,9 von 18 Punkten. Damit war sie die leichteste der vier Aufgabengruppen des schlussfolgernden Denkens.

Brauche ich Statistikkenntnisse?

Nein. Die Rechnungen bleiben bei Prozent, Anteilen, Verhältnissen und Dreisatz.

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