TMSnat Diagramme und Tabellen: 20 Aufgaben in 50 Minuten

TMSnat Diagramme und Tabellen: 20 Aufgaben in 50 Minuten

Veröffentlicht am 28. August 2026. Zuletzt aktualisiert am 28. August 2026.

Diagramme und Tabellen ist die Aufgabengruppe 6 des TMSnat und zugleich die letzte der vier Denkgruppen; danach folgt nur noch das Arithmetische Problemlösen. Sie umfasst 20 Aufgaben in 50 Minuten, also zweieinhalb Minuten je Aufgabe, und wurde unverändert aus dem TMS übernommen. Minuspunkte gibt es nicht, einen Taschenrechner auch nicht.

Eine einzige Regel fasst diese Gruppe zusammen, und sie steht wörtlich in den offiziellen Erläuterungen: Zur Beantwortung sollen ausschließlich die in der Aufgabe dargebotenen Informationen herangezogen werden. Dein Weltwissen bleibt draußen, gerechnet wird nur mit dem, was abgedruckt ist – und zwar durchweg mit Prozent, Anteilen, Verhältnissen und Dreisatz.

Warum dieser Teil so spät kommt

Diese Gruppe beginnt nach rund 223 Minuten reiner Bearbeitungszeit; mit der einstündigen Pause, den Instruktionen vor jeder Gruppe und der Einlasskontrolle sitzt du dann seit etwa fünf Stunden im Testraum. Das gehört zur Anforderung, weil ein Test über einen ganzen Tag immer auch Ausdauer und Belastbarkeit misst. Und gerade hier schlägt Erschöpfung unangenehm zu, denn eine übersehene Achsenbeschriftung kostet denselben Punkt wie eine nicht verstandene Aufgabe.

Die dankbarste der vier Denkgruppen

Zur Trainierbarkeit gibt es eine bemerkenswerte Zahl. Weppert und Kollegen haben 2023 bei 7.903 TMS-Teilnehmern gemessen, wie viel sich am Ergebnis durch Vorbereitungsform, aufgewendete Zeit und ausgegebenes Geld erklären lässt – bei den Diagrammen und Tabellen sind es 0,8 Prozent, der niedrigste Wert aller Aufgabengruppen.

Daraus folgt aber nicht, dass Vorbereitung sinnlos wäre. Trainierbar ist hier zwar kaum die Fähigkeit selbst, sehr wohl aber die Routine, mit der du an eine Darstellung herangehst – und weil die Fehler fast alle aus derselben kleinen Liste stammen, ist diese Gruppe unter den vier Denkgruppen sogar die dankbarste.

Format und Fragetypen

Du bekommst eine Tabelle oder ein Diagramm, dazu mehrere Fragen mit je fünf Antwortmöglichkeiten. Vorkommen können Balken- und Säulendiagramme, Linien- und Kurvendarstellungen, Kreisdiagramme, Streudiagramme und mehrspaltige Tabellen, teilweise mehrere nebeneinander; die Darstellungen stammen meist aus Medizin, Biologie oder Gesundheitsstatistik, gelegentlich aus Wirtschaft und Gesellschaft.

Praktisch alle Fragen gehören zu sechs Typen: Du liest einen Wert direkt ab, setzt ihn ins Verhältnis zu einer Summe, vergleichst zwei Werte oder Zeitpunkte, verfolgst eine Entwicklung über die Zeit, verrechnest zwei Angaben aus verschiedenen Teilen der Darstellung – oder du beantwortest die wichtigste Frage überhaupt: was folgt aus der Darstellung? Dieser Typ ist der ehrlichste der Gruppe, weil er nicht misst, ob du rechnen kannst, sondern ob du erkennst, welche Frage eine Darstellung überhaupt beantwortet. Die Schwierigkeit steigt innerhalb der Gruppe an, die letzten Aufgaben gehören meist genau hierher.

Beispiel 1 – der Nenner entscheidet

Stell dir eine Tabelle mit den Notfallkonsultationen von vier Kliniken vor, aufgeschlüsselt nach Dringlichkeitsstufen und mit Summen je Zeile und Spalte. Gefragt ist, in welcher Klinik der Anteil der nicht dringenden Fälle an allen Konsultationen dieser Klinik am höchsten ist. Weil sich der Anteil auf die einzelne Klinik bezieht, ist die Zeilensumme die Bezugsgröße: Ahrbach kommt mit 2.400 von 4.000 auf 60 Prozent, während die kleine Klinik Cammin mit 1.550 von 2.500 bei 62 Prozent liegt und damit vorne ist. Ahrbach und Dorneck haben zwar mit je 2.400 die höchste absolute Zahl – und genau dafür steht eine eigene Antwortmöglichkeit bereit, die alle einsammelt, die absolut mit relativ verwechseln.

Dieselbe Zelle, drei Prozentzahlen

Bleiben wir bei dieser Tabelle. Dorneck hat 2.400 nicht dringende Konsultationen, alle Kliniken zusammen kommen auf 8.050 solcher Fälle – wie viel Prozent aller nicht dringenden Konsultationen entfallen also auf Dorneck? Knapp 30 Prozent, denn jetzt ist nicht mehr die Zeilensumme der Nenner, sondern die Spaltensumme.

Dieselbe Zelle liefert je nach Bezugsgröße knapp 44 Prozent innerhalb von Dorneck, knapp 30 Prozent an allen nicht dringenden Fällen und 15 Prozent an sämtlichen 16.000 Konsultationen – unterschieden allein durch den Nenner. Daraus ergibt sich der zentrale Handgriff dieser Aufgabengruppe: Bevor du bei einer Prozentfrage den Zähler ansiehst, schreibst du den Nenner hin und entscheidest bewusst, ob Zeilensumme, Spaltensumme oder Gesamttotal gemeint ist. Die häufigste falsche Antwort dieser Gruppe ist eine korrekt gerechnete Prozentzahl mit dem falschen Nenner, und in aller Regel stehen alle drei plausiblen Werte mit unter den Optionen.

Beispiel 2 – die abgeschnittene Achse

Die Werte einer Spalte werden zusätzlich als Balkendiagramm dargestellt, und die senkrechte Achse beginnt nicht bei null, sondern bei 600. Gefragt ist, um welchen Faktor der Wert von Ahrbach den von Cammin übertrifft – richtig ist etwa 1,7, weil 1.180 geteilt durch 700 knapp 1,7 ergibt. Optisch wirken die Balken aber wie das Sechsfache, denn sichtbar sind durch den Achsenbeginn nur noch 580 gegenüber 100, und genau dieses Verhältnis liest dein Auge ab.

Sobald eine Achse nicht bei null beginnt, sind Balkenverhältnisse wertlos; ablesbar bleiben nur die Werte selbst und ihre Differenzen. Darum gehört der Blick auf den Achsenanfang in die ersten 20 Sekunden jeder Aufgabe.

Beispiel 3 – plausibel ist nicht belegt

Gefragt wird, welche Aussage sich aus der Kliniktabelle ableiten lässt, und zur Auswahl stehen Sätze über Ärztezahlen, eine überlastete Notaufnahme, den Vergleich zum Vorjahr und Behandlungszeiten – alle klingen vernünftig. Ableiten lässt sich aus der Tabelle allein aber nur eine einzige Aussage, nämlich dass in Brunnthal weniger als die Hälfte der Konsultationen auf die Stufen 4 und 5 entfällt, weil 1.700 von 4.000 eben 42,5 Prozent sind. Alle anderen Optionen bräuchten Angaben, die schlicht nicht dastehen.

Frag deshalb bei jeder Option nicht, ob sie stimmen könnte, sondern ob die nötige Zahl in der Darstellung steht. Plausibel ist nicht belegt.

Der Ablauf in fünf Schritten

  1. Erst lesen, dann sehen. Bevor du die erste Zahl ansiehst, liest du Titel, Achsen, Einheiten, Legende und Fußnoten – in dieser Reihenfolge und vollständig. Das kostet 20 Sekunden und beantwortet vier Fragen, die später über Punkte entscheiden: was gezählt wird, in welcher Einheit, über welchen Zeitraum, und ob die Achse bei null beginnt. Die Legende heißt nach dem lateinischen legenda wörtlich „das, was gelesen werden muss” – bei einer Wanderkarte tust du das ganz selbstverständlich zuerst.
  2. Die Bezugsgröße unterstreichen. Zeile, Spalte oder Gesamttotal? Diese eine Unterscheidung entscheidet mehr Aufgaben als jede Rechenfertigkeit.
  3. Prüfen, ob überhaupt gerechnet werden muss. Viele Fragen lassen sich durch Vergleichen lösen. Merk dir die Faustregel: Bei gleichem Zähler gewinnt der kleinere Nenner, bei gleichem Nenner der größere Zähler – damit erledigst du viele Vergleichsfragen in wenigen Sekunden statt in zwei Minuten.
  4. Sauber ablesen. Nimm die Kante deines Blatts oder den Bleistift als Lineal, wenn du in einem Diagramm einen Wert auf der Achse suchst. Und rechne nie genauer, als die Darstellung hergibt: Ist die Skala in Zweihunderterschritten unterteilt, verlangt niemand eine Antwort auf zehn genau.
  5. Die Gegenprobe. Ein Anteil liegt nie über hundert Prozent, und eine Teilmenge ist nie größer als ihre Summe. Behalte am Ende bewusst ein paar Minuten übrig, denn nach fünf Stunden im Testraum ist die Fehlerquote in den letzten Aufgaben deutlich höher als in den ersten.

Die sechs Fehler – fünf davon ohne Rechnen

Zwei stille Fallen bleiben nachzutragen. Achte erstens auf Einheiten und Skalenfaktoren, also auf Angaben wie „in Tausend”, „in Prozent des Vorjahres” oder „je 100.000 Einwohner”, die meist klein über der Tabelle stehen und trotzdem jede Rechnung verändern. Und lies zweitens die Fußnoten: Eine Anmerkung wie „ohne ambulante Fälle” oder „Werte gerundet” entscheidet regelmäßig darüber, welche Aussagen die Darstellung überhaupt noch trägt – und die Fußnote ist der am häufigsten übersehene Teil einer Aufgabe.

Der sechste Fehler ist keiner der Darstellung, sondern einer der Uhrzeit, denn nach fünf Stunden liest niemand mehr so genau wie am Morgen. Zusammen mit der abgeschnittenen Achse, dem falschen Nenner, der Verwechslung von absolut und relativ, den Einheiten und den Fußnoten ergibt das sechs Fehler, die fast alle Punkte kosten – und fünf davon haben mit Rechnen nichts zu tun. Diese Liste ist praktisch vollständig.

Womit du übst

In der Untersuchung von Weppert und Kollegen war das Üben mit Büchern die einzige Vorbereitungsform mit positiver Wirkung auf alle Untertests, weil solche Bücher echte frühere Testversionen enthalten. Für den TMSnat gibt es noch keine Originalversionen, aber weil die Gruppe unverändert aus dem TMS stammt, taugen die kostenlose ITB-Aufgabensammlung und die TMS-Originalversionen ohne Abstriche.

Dazu kommt ein Vorteil, den keine andere Gruppe hat: Hier gibt es unbegrenzt kostenloses Übungsmaterial, weil sich jede Grafik aus einer Zeitung oder einem Behördenbericht als Übungsstück eignet. Arbeite zweimal pro Woche fünf Minuten mit einer beliebigen Grafik und stell dir immer dieselben drei Fragen: Wodurch wird geteilt? Beginnt die Achse bei null? Welche Aussage trägt die Darstellung nicht?

Plane außerdem drei bis vier Übungseinheiten von je 50 Minuten unter echten Zeitbedingungen und zwei vollständige Simulationen am Stück – denn diese Gruppe beginnt nach etwa fünf Stunden, und wer sie immer nur ausgeruht übt, kennt sie nicht. Führe eine Fehlerliste mit sechs Zeilen, eine je Falle.

Zwei Tipps aus der Trickkiste

Zwischen Gruppe 6 und Gruppe 7 gibt es keine Pause, wohl aber die Instruktionszeit vor der Gruppe – nutze sie bewusst zur Erholung, indem du die Schultern lockerst, zweimal tief durchatmest und den Blick vom Blatt weg in die Ferne richtest. Das ist keine Esoterik, sondern die einzige Erholung, die dir an dieser Stelle zur Verfügung steht.

Und du sparst Lernzeit: Statistikwissen brauchst du für diese Gruppe nicht. Weder Signifikanztests noch Verteilungen noch Regressionen kommen vor, gefragt sind ausschließlich Prozent, Anteile und Verhältnisse.

Zusammenfassung

Wenn du die Beschriftung vor den Zahlen liest, den Nenner hinschreibst, bevor du rechnest, und bei jeder Aussage prüfst, ob die nötige Zahl wirklich dasteht, nimmst du dieser Gruppe fast alles, was an ihr gefährlich ist. Was du hier gewinnst, gewinnst du nicht dadurch, dass du klüger wirst, sondern dadurch, dass du aufhörst, vermeidbare Fehler zu machen.

Verwandt ist TMSnat Quantitative Probleme. Wie der Test insgesamt aufgebaut ist, steht in der Lektion zum TMSnat, Übungsaufgaben findest du im TMSnat-Kurs.

Häufige Fragen

Muss ich für diese Gruppe rechnen können?

Prozent, Anteile, Verhältnisse und Dreisatz genügen. Einen Taschenrechner gibt es nicht, und viele Fragen lassen sich ganz ohne Rechnung durch Vergleichen lösen.

Brauche ich Statistikkenntnisse?

Nein. Signifikanztests, Verteilungen und Regressionen kommen nicht vor.

Darf ich mein Vorwissen einbringen?

Nein. Die Erläuterungen halten ausdrücklich fest, dass ausschließlich die in der Aufgabe dargebotenen Informationen heranzuziehen sind.

Wie genau muss ich ablesen?

Nie genauer, als die Darstellung hergibt. Ist die Skala grob unterteilt, ist auch die erwartete Antwort grob – wer feiner rechnet, verliert Zeit ohne Gewinn.

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