Wie du 14 Punkte bei Soziales Entscheiden erreichst
Veröffentlicht am 24. Oktober 2023. Zuletzt aktualisiert am 28. August 2026.
Wer sich auf den MedAT 2027 vorbereitet, trifft bei Soziales Entscheiden auf vierzehn Aufgaben in 21 Minuten – so war der Untertest zuletzt zusammengesetzt. Er gehört zu den sozial-emotionalen Kompetenzen, die zusammen zehn Prozent des Gesamtwerts ausmachen. Gelöst wird jede Aufgabe, indem fünf Überlegungen zu einem geschilderten Dilemma in eine Rangreihe von eins bis fünf gebracht werden.
Die Ethik ärztlichen Handelns ist seit Jahrhunderten unantastbar. Schon im hippokratischen Eid, der bis heute bei Promotionsfeiern zahlreicher Universitäten verlesen wird, ist die Rede von Schweigepflicht, Gleichstellung und medizinischer Behandlung nach bestem Wissen und Gewissen. Es verwundert also nicht, dass österreichische Medizin-Unis eine gewisse moralische Kompetenz als Anforderung an die Studienbewerber stellen. Im Zuge dessen wurde vor einigen Jahren der Untertest „Soziales Entscheiden“ in den MedAT aufgenommen.
Was dich beim MedAT 2027 erwartet
„Soziales Entscheiden“ ist als einer der letzten Untertests des MedAT Teil der „Sozial-Emotionalen Kompetenzen“. Zuletzt gab es insgesamt vierzehn Aufgaben, die in 21 Minuten zu absolvieren waren, und mit dieser Zusammensetzung solltest du auch für 2027 rechnen. Rechnerisch bleiben dir damit rund 90 Sekunden je Aufgabe, was für ein sorgfältiges Durchgehen der fünf Überlegungen genügt, aber kein längeres Abwägen erlaubt. Zusammen mit „Emotionen erkennen“ mit ebenfalls vierzehn und „Emotionen regulieren“ mit zwölf Aufgaben kommt der Testteil auf vierzig Aufgaben.
Bei jeder Aufgabe wird zunächst eine Situation geschildert, aus der ein Dilemma hervorgeht. Die Person, um die es in der Aufgabe geht, steht also vor einer mehr oder weniger schwierigen Entscheidung. Darunter stehen fünf Überlegungen zur Auswahl, jeweils als Frage formuliert, denen unterschiedliche moralische Wertigkeit zugerechnet wird. Deine Aufgabe ist es, die Überlegungen nach ihrer moralischen Richtigkeit zu beurteilen und dahingehend in die korrekte Reihenfolge zu setzen, wobei der Rang 1 die ethisch korrekteste Überlegung darstellt. Ein Punkt wird nur vergeben, wenn alle fünf Ränge richtig angegeben werden konnten.
Bleibt die Frage, wie viel Zeit dieser Untertest bei dir verdient. Die sozial-emotionalen Kompetenzen tragen zehn Prozent zum Gesamtwert bei – wer dort schon sicher liegt, holt dieselbe Stunde anderswo besser heraus. Welcher Untertest bei dir am meisten bringt, rechnet die MedAT-Diagnose aus deinen eigenen Werten aus.
Theoretische Konzepte für Soziales Entscheiden
Den US-amerikanischen Psychologen Lawrence Kohlberg beschäftigten während seiner Laufbahn besonders die Fragen, wie der Entscheidungsfindungsprozess bei moralischen Dilemmata abläuft und wieso man gewisse Entscheidungen als „richtiger“ bewertet als andere. Dazu führte er eine Studie durch, in der er seinen Probanden das inzwischen berühmte „Heinz-Dilemma“ vorlegte und ihnen Fragen zu den betreffenden Denkprozessen stellte. Aus den Ergebnissen postulierte Kohlberg eine Stufentheorie zur Moralentwicklung, die bis heute sehr viel Anerkennung findet.
An genau diesem Stufenmodell scheinen sich auch die Testersteller des MedAT zu orientieren. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass du dich damit auseinandersetzt und es wirklich verinnerlichst.
| Stufe | Merkmale nach Kohlberg | Beispiele | Reihung |
| 1.Stufe | In der ersten und damit untersten moralischen Stufe sah Kohlberg die Orientierung an Strafe, Gehorsam und Autorität | „Könnte ich meinen Job verlieren?“ „Könnte ich dafür ins Gefängnis kommen?“ | 5 |
| 2.Stufe | Die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse und das eigene Wohlergehen stehen im Vordergrund | „Habe ich es nicht verdient so zu handeln?“ „Wie könnte ich einen Vorteil daraus ziehen?“ | 4 |
| 3.Stufe | Hier ändert sich die Perspektive und die Überlegungen Außenstehender werden einbezogen | „Was würde X an meiner Stelle tun?“ | 3 |
| 4.Stufe | In der vierten Stufe geht es um moralische und Soziale Normen, die ein gewisses Pflichtgefühl hervorrufen | „Ist es nicht meine Pflicht, einem Freund zu helfen?“ | 2 |
| 5.Stufe | In der moralisch wertvollsten Stufe wird vor allem das Wohlergehen des Gegenübers beachtet | „Würde ich X eine Freude bereiten oder weiterhelfen, wenn ich mich so entscheide?“ | 1 |
So gehst du bei Soziales Entscheiden am Besten vor
Die Ränge, die man meist am leichtesten findet, sind 1 oder 5. Diese solltest du also als erstes suchen und schonmal vormerken. Am besten, du schreibst die Reihung, die du vermutest, zunächst neben die Aussagen und überträgst sie noch nicht in die Antwortmatrix, damit am Ende keine Fehler passieren. Als nächstes kannst du dich auf die Suche nach Rang 3 machen. Sobald irgendwo die Meinung einer Außenstehenden Person erwogen wird, kannst du eigentlich darauf vertrauen, dass das dem mittleren Rang entspricht. Nun bleiben nurmehr zwei Aussagen übrig und du kannst dir überlegen, welche davon moralisch wertvoller ist, als die andere und diese dann dementsprechend mit 2 oder 4 markieren. Am besten du gehst danach noch einmal die Reihung durch und münzt es auf das Stufenmodell nach Kohlberg um, um wirklich sicher zu sein, dass sich nirgendwo ein Fehler eingeschlichen hat. Danach trägst du alle Ränge in die Antwortmatrix um und voilà: Der Punkt ist gesichert.
Ein Durchgang Schritt für Schritt
Damit das nicht abstrakt bleibt, hier eine Situation in der Machart, die dich erwartet. Ein Student im Praktikum bemerkt, dass jemand aus seiner Gruppe die Station regelmäßig früher verlässt und ein anderer Kollege die liegengebliebene Arbeit stillschweigend übernimmt. Er überlegt, ob er das ansprechen soll. Zur Auswahl stehen fünf Überlegungen:
- „Bekomme ich Ärger mit der Stationsleitung, wenn ich nichts sage?“
- „Was habe ich selbst davon, wenn ich es für mich behalte?“
- „Wie würde jemand aus meinem Jahrgang an meiner Stelle entscheiden?“
- „Gehört es sich nicht, dass jeder seinen Teil der Arbeit übernimmt?“
- „Was bedeutet die Mehrarbeit für den Kollegen, der regelmäßig einspringt?“
Nach dem Verfahren von oben suchst du zuerst die Ränder. Die erste Überlegung fragt nach Ärger von oben, also nach Strafe und Autorität, und landet damit auf Stufe 1 und Rang 5. Die letzte richtet den Blick auf das Wohl eines anderen und ist damit Stufe 5 und Rang 1. Dann die Mitte: „Wie würde jemand aus meinem Jahrgang entscheiden“ bezieht eine außenstehende Sicht ein, das ist Stufe 3 und Rang 3. Übrig bleiben zwei. Die Frage nach dem eigenen Vorteil ist reiner Eigennutz, also Stufe 2 und Rang 4; die Frage danach, ob sich das so gehört, beruft sich auf eine Norm und ist Stufe 4 und Rang 2. Die fertige Reihung lautet also 5, 4, 3, 2, 1 – in dieser Aufgabe zufällig in der Reihenfolge der Zeilen, was im Test natürlich nicht so sein wird.
Drei Fallen, die regelmäßig Punkte kosten
Die erste und häufigste ist die Antwortmatrix. Dort verrutscht man leichter, als man denkt, also achte wirklich darauf, dass pro Zeile und Spalte nur ein einziges Kreuzchen gesetzt wurde. Weil ein Punkt nur bei fünf richtigen Rängen fällt, kostet ein einziges verrutschtes Kreuz die ganze Aufgabe.
Die zweite ist, nach der eigenen Überzeugung zu reihen statt nach dem Stufenmodell. Was du selbst tun würdest, ist für die Bewertung ohne Belang; gefragt ist, auf welcher Stufe eine Überlegung argumentiert. Gerade wer moralisch gefestigt an die Sache herangeht, verrutscht hier, weil ihm eine Pflichtüberlegung wertvoller erscheint als die Sorge um einen anderen.
Die dritte fällt auf, wenn dir zwei Überlegungen gleichwertig vorkommen. Das ist im MedAT nie der Fall – jede Stufe kommt genau einmal vor. Wenn zwei Aussagen für dich auf derselben Stufe liegen, hast du eine der beiden falsch gelesen, und es lohnt sich, beide noch einmal daraufhin anzusehen, wessen Wohl darin eigentlich verhandelt wird.
Zusammenfassung
Generell gibt es zu sagen, dass man mit ein wenig Übung und unter Anwendung dieses Schemas wirklich viele Punkte bei „Soziales Entscheiden“ ergattern kann. Obwohl es insgesamt vierzehn erreichbare Punkte sind und man das Schema relativ schnell begriffen hat, sollte man auf das Üben dieses Untertests natürlich nicht vollkommen verzichten. Wenn du dir am Ende deines Lerntages regelmäßig ein paar Aufgaben dazu ansiehst, kommst du erfahrungsgemäß schnell an den Punkt, an dem die Reihung fast von selbst entsteht.
Wie die beiden anderen Untertests dieses Testteils funktionieren, liest du in den Beiträgen zu Emotionen erkennen und Emotionen regulieren. Wie sich die vierzehn Punkte im Gesamtwert auswirken und welcher Wert zuletzt für einen Studienplatz gereicht hat, steht in der Statistik zu den Gesamtwerten. Den Aufbau des gesamten Testtags findest du in der Übersicht zum MedAT, geübte Aufgaben zu allen Untertests im MedAT-Kurs.
Häufige Fragen
Wie viele Aufgaben hat Soziales Entscheiden beim MedAT 2027?
Zuletzt waren es vierzehn Aufgaben in 21 Minuten, also rund 90 Sekunden je Aufgabe, und mit dieser Zusammensetzung ist auch 2027 zu rechnen. Zusammen mit „Emotionen erkennen“ und „Emotionen regulieren“ ergibt das vierzig Aufgaben im Testteil der sozial-emotionalen Kompetenzen. Verbindlich wird die Zusammensetzung erst, wenn die Universitäten sie vor der Anmeldung veröffentlichen.
Wie wird Soziales Entscheiden bewertet?
Eine Aufgabe zählt erst dann als gelöst, wenn alle fünf Ränge richtig vergeben sind. Teilpunkte für eine teilweise richtige Reihung gibt es nicht, weshalb sich die Kontrolle der Antwortmatrix am Ende jeder Aufgabe lohnt.
Muss ich Kohlberg auswendig lernen?
Nein. Es genügt, die fünf Stufen sicher auseinanderhalten zu können: Strafe und Autorität, eigener Vorteil, Sicht von außen, Norm und Pflicht, Wohl des anderen. Die Namen der Stufen und die Herkunft der Theorie werden im Test nicht abgefragt.
Wie viel Zeit sollte ich für die Vorbereitung einplanen?
Soziales Entscheiden ist der Untertest mit dem kleinsten Stoffumfang, weil das Schema nach wenigen Aufgaben sitzt. Sinnvoll sind kurze, regelmäßige Durchgänge über mehrere Wochen statt eines langen Blocks, weil die Sicherheit beim Zuordnen der Stufen mit der Wiederholung kommt und nicht mit der Dauer einer einzelnen Übungseinheit.

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