EMS Figuren lernen: 18 Figuren in vier Minuten

EMS Figuren lernen: 18 Punkte in vier plus fünf Minuten

Veröffentlicht am 28. August 2026. Zuletzt aktualisiert am 28. August 2026.

Figuren lernen prüft, wie gut du dir Einzelheiten von Gegenständen einprägst, die du mit dem Auge wahrnimmst. Du bekommst 18 Figuren und vier Minuten Lernzeit – also 13 Sekunden je Figur –, und für die Reproduktion später fünf Minuten, also 17 Sekunden je Figur. Damit sind hier 18 der insgesamt 162 Punkte zu holen; falsche Antworten kosten nichts.

Die Stunde dazwischen

Die Zahl, die diese Gruppe eigentlich schwer macht, steht nicht in der Aufgabe, sondern im Testablauf. Du prägst dir die Figuren am Ende von Testheft A ein, danach folgt der zweite Lerntest mit sechs Minuten, dann wird Heft A eingesammelt und Heft B ausgeteilt, dann arbeitest du 45 Minuten am Textverständnis – und erst danach wirst du zu den Figuren befragt.

Das ZTD beziffert diesen Abstand selbst mit etwa einer Stunde und hält fest, dass du darin keine Gelegenheit hast, die Figuren noch einmal zu memorieren. Was nach den vier Minuten nicht sitzt, ist weg. Genau das musst du beim Üben mitüben: Wer sofort nach dem Einprägen abfragt, trainiert etwas anderes als das, was im Test verlangt wird.

Was diese Gruppe misst

Ein Blick auf die Kennzahlen lohnt sich hier besonders, weil sie verraten, wie du deine Übungszeit einteilen solltest. Das ZTD ordnet die Gruppe 2025 dem Faktor Werkzeugfunktionen zu, mit einer Ladung von 0,70, und sie ist sprachunabhängig, weshalb es für sie keinen Sprachausgleich gibt.

Im Testjahr 2025 lag der Mittelwert bei 10,4 von 18 Punkten, und der Zusammenhang mit dem Gesamtergebnis beträgt r gleich 0,611 – der niedrigste Wert aller neun Aufgabengruppen. Wer hier gut abschneidet, ist deshalb nicht automatisch insgesamt gut: Diese Gruppe misst etwas Eigenes, das die anderen acht nicht abdecken. Für dich heisst das umgekehrt, dass sich hier Punkte holen lassen, die anderswo nicht zu holen sind.

Was du in der Einprägephase siehst

Die 18 Figuren stehen zeilenweise auf einer Seite. Jede ist eine geschlossene, unregelmässige Form, die an eine Amöbe, an einen Kieselstein oder an einen Zahnquerschnitt erinnern kann; geschwungene Linien teilen sie in vier oder fünf Felder, von denen genau eines vollständig schwarz ausgefüllt ist.

Gefragt wird später weder nach der Figur noch nach der Anzahl der Felder noch nach der Reihenfolge, sondern ausschliesslich danach, wo innerhalb dieser einen Figur die schwarze Fläche sass. Alles, was du dir sonst merkst, ist verschenkte Kapazität.

Was du nach der Stunde vorfindest

Nach der Pause tauchen dieselben 18 Figuren wieder auf – in veränderter Reihenfolge, mit lauter weissen Feldern, und jedes Feld trägt nun einen Buchstaben. Du markierst für jede Figur den Buchstaben des Feldes, das vorher schwarz war.

Zwei formale Details entscheiden hier über Punkte. Das ZTD weist erstens ausdrücklich auf die zeilenweise Abfolge hin: Wer spaltenweise vorgeht, verrutscht auf dem Antwortbogen und verliert im schlimmsten Fall alle 18 Punkte. Zweitens sind die Buchstaben in jeder Figur anders verteilt – du kannst dir deshalb nie merken, dass es das Feld C war, sondern immer nur, dass es das Feld unten rechts war.

Notizen sind eine Täuschungshandlung

Eine Regel fällt härter aus, als die meisten erwarten. Bei den beiden Lerntests darfst du keinerlei Notizen machen, weder während des Einprägens noch danach, und das ZTD führt solche Notizen ausdrücklich unter den Täuschungshandlungen auf – ebenso das gezielte Platzieren von Gegenständen als Merkhilfe. Erlaubt sind Markierungen im Testheft ausschliesslich während der Reproduktionsphase, und dort auch nur direkt bei der Aufgabe, an der du gerade arbeitest.

Das Grundprinzip: Bedeutung statt Betrachtung

Anschauen genügt nicht, und das ZTD schreibt das selbst: Es hilft wenig, die Figur einfach zu betrachten. Was du dir durch mehrfaches Ansehen gemerkt hast, überlebt keine Stunde mit 45 Minuten Textarbeit dazwischen.

Du musst der Figur in deinen 13 Sekunden eine Bedeutung geben, in der die schwarze Fläche vorkommt. Das ZTD nennt das eine Gedankenbrücke, im Fachjargon eine Assoziation – vom lateinischen associare, also schlicht verbinden. Du kennst das aus dem Parkhaus: Die Ebene 3 sagt dir nach zwei Stunden nichts mehr, während „neben der roten Säule” sofort wieder da ist.

Wie eine Gedankenbrücke aussieht

Nimm eine Form, die entfernt an einen Handschuh erinnert, und das schwarze Feld sitzt dort, wo der Daumen wäre. Deine Gedankenbrücke lautet dann nicht „Handschuh”, sondern „Handschuh mit schwarzem Daumen, weil der Daumen in Tinte geraten ist”. Die Fläche ist Teil der Geschichte, nicht ein Zusatz dazu – und nur so übersteht sie die Stunde.

Das ZTD empfiehlt ausdrücklich konkrete und prägnante, vielleicht sogar ausgefallene oder absurde Bedeutungen, hält emotional gefärbte Brücken für besonders einprägsam und schreibt, eine Assoziation, die einem dumm vorkomme, sei in jedem Fall hilfreicher als gar keine. Literarische Preise gewinnst du hier also keine – deine Geschichte muss lediglich die schwarze Fläche enthalten.

Drei Fallen, die regelmässig Punkte kosten

Die erste ist das blosse Betrachten. Es fühlt sich in den vier Minuten produktiv an, weil die Figur mit jedem Blick vertrauter wirkt – und genau diese Vertrautheit ist nach einer Stunde verschwunden.

Die zweite ist das Merken des Buchstabens statt der Lage. Da die Buchstaben in jeder Figur anders verteilt sind, ist ein gemerktes „C” wertlos; nur „unten rechts” oder „im schmalen Zipfel links” trägt.

Die dritte ist das Festbeissen an einzelnen Figuren. Bei 13 Sekunden je Figur kostet jede Figur, an der du zwanzig Sekunden hängst, eine andere ganz. Geh zügig durch und nutze die Restzeit zum Wiederholen.

Der feste Ablauf der vier Minuten

  1. Zeilenweise vorgehen, von Anfang an – so, wie später abgefragt wird.
  2. Erst die Figur deuten, dann die Fläche einbauen. Was erinnert die Form? Und wo sitzt darin das Schwarze?
  3. Die Brücke laut im Kopf formulieren, in einem kurzen Satz, in dem die schwarze Fläche vorkommt.
  4. Nach 13 Sekunden weiter, auch wenn die Brücke noch wackelt – eine schwache Brücke ist besser als eine fehlende bei der nächsten Figur.
  5. Die Restzeit zum Durchgehen nutzen, nicht zum Vertiefen einzelner Figuren.

Wie du übst

Übe von Anfang an mit der echten Lücke: vier Minuten einprägen, danach 45 Minuten etwas ganz anderes tun, erst dann abfragen. Alles andere trainiert das Kurzzeitgedächtnis, und das ist nicht die Fähigkeit, die hier bewertet wird.

Übe ausserdem das zeilenweise Vorgehen so lange, bis es automatisch abläuft. Der Verrutschfehler auf dem Antwortbogen ist der einzige in dieser Gruppe, der nicht ein oder zwei, sondern alle 18 Punkte kosten kann.

Zusammenfassung

Figuren lernen ist eine Technikgruppe, keine Begabungsgruppe. Entscheidend sind drei Dinge: jeder Figur in 13 Sekunden eine Bedeutung geben, in der die schwarze Fläche vorkommt; die Lage merken statt des Buchstabens; und von Anfang an mit der echten Stunde Abstand üben. Und weil diese Gruppe am wenigsten mit dem Gesamtergebnis zusammenhängt, holst du hier Punkte, die anderswo nicht zu holen sind.

Die Gruppe dazwischen ist das Textverständnis, der zweite Lerntest ist Fakten lernen. Wie der EMS insgesamt aufgebaut ist, steht in der Lektion zum EMS, Übungsaufgaben findest du im EMS-Kurs.

Häufige Fragen

Wie lange liegt zwischen Einprägen und Abfragen?

Etwa eine Stunde. Dazwischen liegen der zweite Lerntest, der Heftwechsel und die 45 Minuten Textverständnis – und keine Gelegenheit, die Figuren noch einmal anzusehen.

Darf ich mir Notizen machen?

Nein. Das ZTD führt Notizen bei den Lerntests ausdrücklich unter den Täuschungshandlungen auf, ebenso das Platzieren von Gegenständen als Merkhilfe.

Soll ich mir den Buchstaben des schwarzen Feldes merken?

Nein, die Buchstaben sind in jeder Figur anders verteilt. Merk dir die Lage – „unten rechts”, „im schmalen Zipfel links” –, nicht den Buchstaben.

Genügt es, die Figuren mehrfach anzuschauen?

Nein, und das ZTD sagt das selbst. Ohne eine Bedeutung, in der die schwarze Fläche vorkommt, überlebt das Gemerkte die Stunde nicht.

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