Wie du 12 Punkte bei Textverständnis erreichst
Veröffentlicht am 28. August 2026. Zuletzt aktualisiert am 28. August 2026.
Wer sich auf den MedAT 2027 vorbereitet, trifft beim Textverständnis auf zwölf Aufgaben in 35 Minuten – so war der Untertest zuletzt zusammengesetzt. Er bildet einen eigenen Testteil und trägt zehn Prozent zum Gesamtwert bei. Gefragt wird fast immer nach demselben Muster: Zu einem Sachtext stehen nummerierte Aussagen, und anzukreuzen ist die Kombination der Aussagen, die sich aus dem Text ableiten lassen.
Textverständnis ist der Untertest, den die meisten unterschätzen. Er sieht harmlos aus, weil kein Fachwissen nötig ist und die Texte niemandem etwas abverlangen, was er nicht könnte. Genau das ist die Falle: Wer ihn nebenbei mitnimmt, verliert regelmäßig Punkte an Stellen, an denen er sich sicher war. Mit rund drei Minuten je Aufgabe ist der Untertest außerdem großzügiger getaktet als jeder andere – und trotzdem wird die Zeit knapp, wenn man den Text zweimal von vorn liest.
Was dich beim MedAT 2027 erwartet
Textverständnis ist im MedAT kein Untertest innerhalb einer größeren Gruppe, sondern ein eigener Testteil mit zwölf Aufgaben in 35 Minuten. Die Texte sind Sachtexte aus Wissenschaft, Technik, Umwelt oder Gesellschaft und setzen kein Vorwissen voraus. Alles, was du zur Lösung brauchst, steht im Text – und alles, was du sonst weißt, ist ausdrücklich nicht gefragt.
Der Aufbau folgt fast durchgehend einem Muster. Unter dem Text steht eine Frage in der Art „Welche der folgenden Aussagen lassen sich aus dem Inhalt dieses Textes ableiten?”, darunter vier nummerierte Aussagen. Die Antwortmöglichkeiten sind dann keine einzelnen Aussagen, sondern Kombinationen: „1 und 3 sind richtig”, „nur 4 ist richtig”, „alle sind richtig” und so weiter. Daneben kommen vereinzelt klassische Einzelauswahlfragen vor, gern in der Form „Welche Aussage trifft nicht zu?”.
Was hier eigentlich gemessen wird
Die Universitäten prüfen nach eigener Formulierung Lesekompetenz und das Verständnis von Texten. Was damit gemeint ist, hat die OECD in einer Definition zusammengefasst, die dem Wortlaut der Universitäten auffällig nahekommt: die Fähigkeit, geschriebene Texte zu verstehen, zu nutzen und über sie zu reflektieren, um eigene Ziele zu erreichen und das eigene Wissen weiterzuentwickeln.
Diese Fähigkeit baut in drei Stufen aufeinander auf. Auf der ersten erkennst du Wörter als Ganzes, statt sie zu buchstabieren – und dieser Sprung ist gewaltig, denn Buchstabieren bringt es auf höchstens 30 Wörter je Minute, während geübtes Lesen bei 120 bis 150 liegt. Auf der zweiten erfasst du den Sinn eines ganzen Satzes, auf der dritten den Zusammenhang zwischen Sätzen, Abschnitten und dem Text als Ganzem. Der MedAT prüft ausschließlich die dritte Stufe.
Warum Lesetempo doch eine Rolle spielt
Es gibt eine Untergrenze, unterhalb derer Verstehen physiologisch schwierig wird. Das Kurzzeitgedächtnis hält akustisch aufgenommene Information nur rund zwei Sekunden. Um einen Satz von zehn Wörtern zu verstehen, musst du ihn also in ungefähr dieser Zeit gelesen haben, was fünf Wörtern je Sekunde entspricht – hochgerechnet rund 300 Wörter je Minute. Liegst du deutlich darunter, ist der Satzanfang bereits verblasst, ehe du das Ende erreichst, und du liest den Satz ein zweites Mal.
Diese Rücksprünge sind der eigentliche Zeitfresser. Sie fallen einem selbst kaum auf, summieren sich über einen Text aber erheblich, und sie sind in den meisten Fällen unnötig: Der Blick springt zurück, weil die Aufmerksamkeit kurz weg war, nicht weil der Satz unverständlich wäre.
Warum Kombinationsantworten anders funktionieren
Bei einer gewöhnlichen Auswahlfrage genügt es, die richtige Antwort zu erkennen. Bei einer Kombinationsantwort musst du über jede der vier Aussagen ein Urteil fällen, denn eine einzige falsch eingeschätzte Aussage kippt die ganze Kombination. Vier Einzelurteile mit je 80 Prozent Treffsicherheit ergeben zusammen nur noch rund 40 Prozent – deshalb lohnt sich hier Sorgfalt mehr als Tempo.
Daraus folgt aber auch etwas Angenehmes: Du musst nicht alle vier Aussagen sicher beurteilen. Sobald du bei einer Aussage sicher bist, fallen oft mehrere Kombinationen weg. Wenn du sicher weißt, dass Aussage 2 nicht im Text steht, scheiden alle Antworten aus, die die 2 enthalten – manchmal bleibt danach nur noch eine übrig. Es lohnt sich deshalb, vor dem inhaltlichen Prüfen kurz auszuzählen, welche Aussage in wie vielen Kombinationen vorkommt: Eine Aussage, die nur in einer einzigen Option auftaucht, entscheidet die Aufgabe im Alleingang.
Drei Lesetechniken, die zusammengehören
Für diesen Untertest brauchst du nicht eine Lesetechnik, sondern drei – und zwar an unterschiedlichen Stellen des Ablaufs.
Das Skimming oder Querlesen dient dem groben Überblick. Du fährst zügig über den Text und willst nur wissen, wovon er handelt, wie er gegliedert ist und welche Schlüsselwörter dir ins Auge fallen. Verstehen ist hier ausdrücklich nicht das Ziel.
Das Scanning oder suchende Lesen ist das Gegenstück: Du weißt genau, welche Information du brauchst, und suchst gezielt die Stelle, an der sie steht. Es ist die Technik, mit der du am Ende die Aussagen prüfst – und sie funktioniert nur so gut, wie du vorher markiert hast.
Das Speedreading schließlich ist optional. Es kann beim gründlichen Durchgang Zeit sparen, aber es hat einen Preis: Geschwindigkeit ist wertlos, wenn das Verständnis darunter leidet, und in diesem Untertest wird ausschließlich das Verständnis bewertet. Wer damit arbeiten will, muss es lange vor dem Testtag eingeübt haben.
Das Verfahren, Schritt für Schritt
Die Reihenfolge entscheidet über die Zeit. Bewährt hat sich dieser Ablauf:
- Überfliegen. Lies den Text einmal schnell im Skimming, ohne dir etwas merken zu wollen. Du willst nur wissen, wovon er handelt und wie er gegliedert ist.
- Die Aufgaben lesen. Erst jetzt die Aussagen. Damit weißt du, wonach du im Text suchst, statt dir alles einprägen zu müssen – und du kannst Textstellen unterschiedlich gewichten.
- Den Text genau lesen und dabei markieren. Halte am Rand fest, worum es in jedem Absatz geht, und unterstreiche Signalwörter: alle, nur, immer, nie, mehr als, weniger als, weil, obwohl. Genau an diesen Wörtern entscheiden sich die Aufgaben.
- Aussage für Aussage prüfen. Für jede der vier Aussagen suchst du im Scanning die Stelle, die sie belegt oder widerlegt. Findest du keine, gilt sie als nicht ableitbar.
- Erst dann die Kombination wählen. Nicht umgekehrt – wer bei den Antwortmöglichkeiten anfängt, sucht sich die passende Aussage dazu und liest den Text hinein.
Die Landkarte am Seitenrand
Der dritte Schritt verdient eine eigene Erklärung, weil er über den Rest entscheidet. Was du beim gründlichen Lesen anlegst, ist eine Landkarte des Textes: neben jedem Absatz ein oder zwei Stichworte, die festhalten, worum es dort ging. Das dauert Sekunden und macht den Unterschied zwischen einem Text, in dem du gezielt springen kannst, und einem, den du beim Prüfen der Aussagen noch einmal von vorn durchsuchen musst.
Auch wenn du dir die Stichworte nur denkst, statt sie hinzuschreiben: Übergeh diesen Schritt nicht, sondern behandle ihn als eigenen Arbeitsgang. Fast jeder Sachtext lässt sich sinnvoll gliedern, Abschnitte lassen sich zusammenfassen, und die Struktur selbst enthält Hinweise – man muss nur bereit sein, danach zu suchen.
Drei Fallen, die regelmäßig Punkte kosten
Die erste ist das einzelne verdrehte Wort. Eine Aussage gibt den Text fast vollständig richtig wieder, aber ein Detail ist ausgetauscht: eine Einheit, eine Zahl, ein Fachbegriff, eine Zeitangabe. Der Satz klingt vertraut und wird deshalb durchgewinkt. Wer die Belegstelle wirklich aufsucht, statt sich zu erinnern, fällt darauf nicht herein.
Die zweite ist die ins Gegenteil gekehrte Aussage. Alle Begriffe stimmen, die Richtung nicht: Aus „A steigt, wenn B fällt” wird „A steigt, wenn B steigt”. Weil jedes einzelne Wort im Text vorkommt, wirkt die Aussage besonders glaubwürdig. Achte deshalb bei jeder Aussage, die eine Beziehung behauptet, gezielt auf die Richtung.
Die dritte ist Vorwissen statt Textbeleg. Eine Aussage ist sachlich völlig richtig – sie steht nur nicht in diesem Text. Gefragt ist aber ausschließlich, was sich aus dem Inhalt dieses Textes ableiten lässt. Im Zweifel ist der Text das Maß der Dinge, nicht dein Wissen.
Eine vierte Variante lohnt die gesonderte Erwähnung, weil sie so unauffällig ist: die zusammengezogene Aussage. Zwei Angaben stehen tatsächlich im Text, aber an verschiedenen Stellen und ohne die Verbindung, die die Aussage zwischen ihnen behauptet. Dass zwei Dinge nacheinander erwähnt werden, macht das eine nicht zur Ursache des anderen – prüf also, ob der Text die Verknüpfung wirklich zieht.
Wie du deine Zeit einteilst
35 Minuten für zwölf Aufgaben klingen komfortabel, und das sind sie auch – vorausgesetzt, du liest jeden Text nur einmal gründlich. Die Zeit verschwindet dort, wo jemand den Text ein zweites und drittes Mal von vorn durchgeht, weil er beim ersten Mal nichts markiert hat. Die Markierungen sind kein Beiwerk, sie sind der Grund, warum du beim Prüfen der Aussagen direkt an die richtige Stelle springen kannst.
Wenn dich eine einzelne Aussage länger als eine Minute beschäftigt, entscheide dich und geh weiter. Eine Aufgabe, an der du festhängst, kostet dich zwei andere.
Wie du übst
Sinnvoll ist ein Einstieg, der die beiden Bedingungen trennt. Bearbeite den ersten Übungstext ganz ohne Uhr, so wie du es von dir aus tun würdest, und stell dir erst danach einen Timer auf 35 Minuten für ein vollständiges Testset. Der Unterschied zwischen beiden Durchgängen ist dein Ausgangswert – und weil du ihn kennst, siehst du im weiteren Verlauf, ob sich etwas bewegt.
Führe außerdem eine Fehlerliste nach Fehlerart statt nach Aufgabe: verdrehtes Detail übersehen, Richtung verwechselt, Weltwissen eingebracht, Verknüpfung unterstellt, Stelle nicht gefunden. Nach drei Einheiten siehst du dein eigenes Muster, und das ist mehr wert als weitere zwanzig Texte ohne Auswertung.
Zusammenfassung
Textverständnis belohnt eine Gewohnheit, keine Begabung: jede Aussage einzeln gegen den Text zu halten, statt sie gegen das eigene Gefühl zu halten. Wer sich diese Gewohnheit über einige Wochen antrainiert, merkt den Unterschied vor allem bei den Aufgaben, bei denen er sich vorher sicher war und trotzdem danebenlag.
Wie sich die zwölf Punkte im Gesamtwert auswirken, steht in der Statistik zu den Gesamtwerten, der Aufbau des ganzen Testtags in der Übersicht zum MedAT. Übungstexte und Aufgaben findest du im MedAT-Kurs.
Häufige Fragen
Wie viele Aufgaben hat Textverständnis beim MedAT 2027?
Zuletzt waren es zwölf Aufgaben in 35 Minuten, also knapp drei Minuten je Aufgabe. Verbindlich wird die Zusammensetzung erst, wenn die Universitäten sie vor der Anmeldung veröffentlichen.
Brauche ich Vorwissen für die Texte?
Nein, und es hilft auch nicht. Die Texte setzen kein Fachwissen voraus, und Aussagen, die zwar stimmen, aber nicht im Text stehen, gelten als nicht ableitbar.
Was sind Kombinationsantworten?
Antwortmöglichkeiten, die sich auf mehrere nummerierte Aussagen zugleich beziehen, etwa „1 und 3 sind richtig”. Du musst deshalb über jede einzelne Aussage entscheiden, und ein Fehler bei einer kippt die ganze Antwort.
Lohnt sich ein Speedreading-Kurs?
Nur, wenn du ihn lange vor dem Test einübst. Bewertet wird ausschließlich das Verständnis; eine höhere Lesegeschwindigkeit, die auf Kosten des Verständnisses geht, kostet in diesem Untertest Punkte statt welche zu bringen.
Lohnt es sich, den Text vor den Fragen zu lesen?
Nur einmal überfliegend. Wer den Text gründlich liest, bevor er weiß, wonach gefragt wird, merkt sich die falschen Dinge und liest anschließend ein zweites Mal – das kostet mehr Zeit, als es spart.

Antworten