Wo sich die Vorbereitung auf den TMSnat wirklich lohnt
Veröffentlicht am 20. Februar 2023. Zuletzt aktualisiert am 28. August 2026.
Nicht jede Aufgabengruppe lohnt gleich viel Übung. Eine Untersuchung mit 7.903 Teilnehmern des Medizinertests zeigt, dass die Vorbereitung dort am stärksten wirkt, wo mit echtem Testmaterial gearbeitet wird – und dass reines Lesen über den Test die Leistung sogar leicht senkt. Für den TMSnat, der ab dem 8. und 9. Mai 2027 geschrieben wird, heißt das: Übungsdurchgänge schlagen Lektüre.
Hand aufs Herz – wer kennt es nicht bei der Vorbereitung? Bereitest du dich auf einen Test vor, der so viele unterschiedliche Aufgaben hat, machst du bei bestimmten Aufgabentypen schnell Fortschritte. Bei anderen fällt es dir schwerer und du trittst gefühlt auf der Stelle. Wir kennen das Gefühl und haben uns mit diesem Phänomen näher beschäftigt – mit einem klaren Ergebnis: Die Vorbereitung wirkt nicht überall gleich, und wer seine begrenzte Zeit verteilt, sollte wissen, wo sie am meisten bringt.
Was die Forschung dazu sagt
Die aussagekräftigste Untersuchung dazu stammt von Weppert, Amelung und Kollegen, erschienen 2023 in Frontiers in Education. Ausgewertet wurden 7.903 Teilnehmer eines Testjahrgangs, kontrolliert für Alter, Geschlecht und Abschlussnote. Gemessen wurde, wie sich verschiedene Vorbereitungsformen auf das Rohergebnis auswirken.
| Vorbereitungsform | Wirkung auf das Ergebnis |
| Arbeiten mit Übungsbänden, die echte Testaufgaben enthalten | deutlich positiv, bei durchschnittlich 36 Stunden Nutzung rund vier Punkte |
| Trainingskurse | bei durchschnittlicher Nutzung rund 0,4 Punkte, auf keinen der komplexen Untertests ein gesicherter Effekt |
| Lerngruppen | leicht positiv, statistisch nicht gesichert |
| Foren und allgemeines Stöbern im Netz | negativ |
| Informationsbroschüren über den Test | am deutlichsten negativ von allen untersuchten Formen |
Der auf den ersten Blick überraschende Befund ist der vorletzte: Wer viel über den Test liest, schneidet schlechter ab als wer die Zeit ins Üben steckt. Die Erklärung der Autoren ist schlicht – die Übungsbände wirken deshalb, weil sie echte Testaufgaben enthalten. Was gemessen wird, ist gar nicht der Effekt eines Mediums, sondern der Effekt wiederholten Bearbeitens unter echten Bedingungen.
Damit steht auch die Zeile zu den Trainingskursen in einem anderen Licht, und wir schreiben sie hier hin, obwohl wir selbst Kurse anbieten. In der Untersuchung brachten Kurse bei durchschnittlicher Nutzung rund 0,4 Punkte von 178, und auf keinen der komplexen Untertests ließ sich ein gesicherter Effekt nachweisen. Zwei Dinge relativieren das allerdings, und beide stehen in der Arbeit selbst. Erstens waren Kurse mit knapp 19 Prozent Nutzung die mit Abstand seltenste Vorbereitungsform, und die durchschnittliche Kursdauer lag bei gut fünf Stunden – gegenüber rund 36 Stunden Arbeit mit Übungsbänden. Gemessen wurde also weniger die Wirksamkeit von Unterricht als die Wirkung von fünf Stunden.
Zweitens, und das ist der eigentliche Schluss: Wenn der Effekt aus dem wiederholten Bearbeiten echter Aufgaben kommt, dann entscheidet nicht das Etikett, sondern der Anteil an Übung. Ein Kurs, der überwiegend erklärt, verhält sich wie die Informationsbroschüre. Ein Kurs, der überwiegend Aufgaben rechnen lässt und die Fehler nachbespricht, verhält sich wie die Übungsbände. Wer ein Angebot prüft – unseres eingeschlossen –, sollte danach fragen, wie viele Aufgaben darin tatsächlich bearbeitet werden.
Zwei weitere Zahlen aus derselben Arbeit sind es wert, im Kopf zu bleiben. Erstens der Preis: Geld allein bewegt sehr wenig – es braucht rund 250 investierte Euro für einen einzigen zusätzlichen Punkt von 178. Zweitens die Motivation: Ihr Effekt ist etwa zweieinhalbmal so groß wie der des Geldes. Wer dranbleibt, holt mehr heraus als wer viel ausgibt.
Eine Einschränkung gehört dazu, und sie wiegt hier schwerer als sonst: Drei der Autoren arbeiten bei dem Institut, das genau jene Übungsbände herausgibt, die in der Studie am besten abschneiden – und das keine Kurse verkauft. Eine Untersuchung, die die eigenen Bücher vorn und die Konkurrenzform hinten sieht, liest man besser mit diesem Wissen. Die Methodik ist solide, und eine unabhängige Gegenprobe aus Großbritannien stützt den Kern: Dort wirkten die kostenlosen offiziellen Übungstests stärker als kommerzielle Materialien und stärker als Kurse. Der gemeinsame Nenner beider Arbeiten ist nicht das Format, sondern das Üben am echten Material.
Was das für den TMSnat bedeutet
Der Test, um den es hier geht, heißt inzwischen anders. Der TMS und der HAM-Nat gehen im TMSnat auf, der erstmals am 8. und 9. Mai 2027 geschrieben wird. Er hat sieben Aufgabengruppen und eine Nettotestzeit von 298 Minuten, und die größte Gruppe sind mit 40 Aufgaben in 60 Minuten die naturwissenschaftlichen Kenntnisse – der einzige Teil, in dem es um Fachwissen geht.
Genau daraus folgt die Aufteilung deiner Zeit. Für die naturwissenschaftlichen Kenntnisse gilt, was für jede Wissensprüfung gilt: Hier zahlt Lernen unmittelbar aus, weil fehlendes Wissen sich durch keine Technik ersetzen lässt. Für die übrigen sieben Gruppen zählt vor allem das wiederholte Bearbeiten unter Zeitdruck – sie messen Verfahren, und Verfahren werden durch Üben schneller und sicherer, nicht durch Lesen.
Und noch ein Unterschied zum alten Test, der die Rechnung verändert: Der TMS durfte nur begrenzt oft wiederholt werden, weshalb jeder Versuch schwer wog. Der TMSnat ist unbegrenzt wiederholbar. Das nimmt Druck aus dem ersten Antritt, ändert aber nichts daran, dass gut investierte Vorbereitungszeit den Unterschied macht.
Drei Schlüsse für deine Vorbereitung
Erstens: Fang früh mit echten Aufgaben an, nicht mit Lektüre über den Test. Der stärkste gemessene Effekt kommt vom wiederholten Bearbeiten, und der stellt sich erst über Wochen ein.
Zweitens: Behandle die naturwissenschaftlichen Kenntnisse getrennt von allem anderen. Es ist die größte Gruppe, sie folgt einer anderen Logik, und sie ist die einzige, in der sich Stoff nachholen lässt.
Drittens: Miss deinen Stand regelmäßig unter echten Bedingungen. Nicht, weil die Zahl motiviert, sondern weil du sonst nicht siehst, welche Gruppe stehenbleibt – und genau dort liegt die Zeit, die sich am meisten lohnt.
Wie der TMSnat im Einzelnen aufgebaut ist, steht in der Lektion zum TMSnat. Übungsaufgaben zu allen sieben Aufgabengruppen findest du im TMSnat-Kurs, die Zulassungswege in Deutschland unter Medizin studieren in Deutschland.
Häufige Fragen
Wann findet der erste TMSnat statt?
Am 8. und 9. Mai 2027. Der TMSnat ersetzt den TMS und den HAM-Nat und wird für Human-, Zahn-, Tier- und Pharmaziestudiengänge genutzt.
Wie oft darf ich den TMSnat schreiben?
Unbegrenzt oft. Das ist ein Unterschied zum früheren TMS, bei dem die Zahl der Versuche beschränkt war.
Welche Vorbereitung wirkt am stärksten?
Das wiederholte Bearbeiten echter Aufgaben unter Zeitdruck. Reines Lesen über den Test wirkte in der Untersuchung sogar leicht negativ, weil es Zeit bindet, ohne das Verfahren zu trainieren.
Ist Fachwissen für den TMSnat nötig?
Für eine der acht Gruppen ja, und zwar für die größte: Die naturwissenschaftlichen Kenntnisse umfassen 40 der Aufgaben. Einen verbindlichen Themenkatalog gibt es bislang nicht; die Testleitung nennt das Niveau der Hochschulzugangsberechtigung als Maßstab.

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